LandFrust: Pläne und Ziele. (20/33)

Da es jetzt nun schon ein bisschen die Runde gemacht hat, nun auch noch eine offizielle Ankündigung.

Nebensächlichkeit Nr. 20 : Pläne und Ziele. (Und ein paar Änderungen.)

Bevor ich zu meiner kleinen Ankündigung komme, möchte ich noch kurz etwas aus dem Studium erzählen. Ich hatte damals ein Seminar, in dem uns nahegelegt wurde, dass es ungeheuer wichtig sei, konkret formulierte Ziele zu haben. Große Ziele „In einem Jahr soll das und das sein“ und dann kleine Ziele, die das in Schritte aufteilen – Monat für Monat, Woche für Woche, Tag für Tag. Damit ich immer weiß, wohin ich möchte und was gerade zu tun ist.

Ich fand das ausgemachten Unfug. Blödsinn. Absolut unpraktikabel.

Und zwar aus Gründen.

Grund Nummer eins – was mich interessierte waren lauter so hochabstrakte hochinteressante Themen, die neu waren. Wie soll ich denn wissen, was ich bis da und dahin gelernt haben möchte, wenn ich den Bereich noch gar nicht kenne?! Und dann ENTFALTET sich auch ALLES im lernen. Wird immer mannigfaltiger und komplexer, zeigt neue Facetten. Pah! Monatsziele! Sobald ich anfange kann ich doch jahrelang Neues finden! Und zwar in jeder Kleinigkeit.

Grund Nummer zwei – alles ändert sich immer. Es kommen neue Themen, die wichtiger sind. Ziele werden plötzlich überflüssig. Zeitpläne ändern sich. Wie soll ich mir ein Ziel setzen und es einhalten, wenn ich doch weiß, dass es jederzeit obsolet werden kann? Warum überhaupt Schritte festlegen, wenn es doch noch andere Wege zum gleichen Ziel geben kann?

Grund Nummer drei – ALLES OBEN GENANNTE zusammen und vermischt und dazu noch dieses drohende Unbehagen, beständig Ziele nicht zu erreichen, weil sich eben Alles ändert, weil vielleicht mein Ziel von Anfang an falsch formuliert war, weil es nicht zu den realen Umständen passt, die sich erst im Laufe der Zielverfolgung zeigen.

Puh. Keine konkreten Zielformulierungen also?

Naja. (Hier schrieb ich ja schon über gute Vorsätze und so)

Denn gleichzeitig bin ich eine große Planerin. Verwende Kalender und Notizbücher. Bin also sehr wohl faktisch ständig am Ziele setzen und ändern und verwerfen und abhaken. Und wie so oft kroch durch die Praxis eine wenig Weichheit in meine Kritik, die Unpraktikabilität dem ganzen Zieleformulieren vorwarf.

Es ist doch gar nicht so blöd Ziele zu formulieren. Im vollen Bewusstsein, dass sich Pläne ändern. Dass Zielformulierungen angepasst werden müssen. Und selbst wenn ich den Weg noch nicht in allen Einzelheiten kenne, kann ich doch Meilensteine einplanen. Ich kann einplanen, wann ich innehalten möchte und bewerten, wie weit ich gekommen bin und wohin ich gekommen bin. Ich kann planen, meine Zielvorgaben zu hinterfragen.

Aber zurück zum eigentlichen und bisher völlig unangesprochenen Thema: Was ist nun meine kleine Ankündigung?

Eigentlich nichts Neues. Ich schreibe.

Ja.

Wie schon erzählt, packt mich gerade häufig die Unlust etwas für den Blog zu schreiben, aber nur aus Lust an anderen Schreibprojekten. Und ich hatte mir zum Ziel gesetzt bis zum Sommer nächsten Jahres entschieden zu haben, welches davon ein Buch werden wird.

Nun.

Es sieht so aus als hätte ich mich entschieden, bevor ich mich entschieden habe. Eines meiner kleinen Schreibabenteuer fesselt mich und ich habe das bestimmte Gefühl, dass es eine schöne Geschichte werden wird. Und da ich groß im Planen bin und immerhin schon ein Buch fertig geschrieben habe (wenn auch ein wissenschaftliches, hier der Link, könnt ihr euch einfach so runterladen. Das Buch.), bin ich einfach mal so mutig und setze mir das Ziel, auch dieses Buch fertig zu schreiben. Was dann daraus wird? Mal sehen.

Ob ich mehr Details verraten werde? Mal sehen.

Aber zumindest kann ich ankündigen: Es wird ein hübsches kleines Buch geben, das ich geschrieben haben werde.

Und dann ist da noch was.

Also.

Ich hab noch zu was Anderem „Ja“ gesagt, aber das ist noch nicht so offiziell. Aber ich weiß zumindest schon, dass mich ab jetzt und das ganze nächste Jahr Einiges recht beschäftigen wird. Und ich muss in meinem Leben dafür Platz schaffen. Daher habe ich beschlossen, von meinem wöchentlichen Dienstagsblogveröffentlichen Abschied zu nehmen. Schweren Herzens, denn es hat mir viel Spaß gemacht und ich hab ja noch eine Menge Nebensächliches über das ich schreiben möchte.

Ich habe auch noch Anderes absagen und kürzen müssen, aber ganz insgesamt tue ich das mit gutem Gewissen. Und keine Sorge: Es wird Updates geben und wenn die Zeit reif ist, erzähle ich hier auch von meinem kleinen Buch und von meinem kleinen Geheimprojekt!

Also dann, bis wahrscheinlich in zwei oder drei Wochen! (Am Dienstag an sich halte ich weiterhin fest!)

Fashionblog: Gott (19/33)

Ich möchte kurz über Religion und Glaube sprechen heute. Ich gehe nicht sehr in die Tiefe, aber wer so etwas belastend findet oder wen es einfach nicht interessiert, sollte wohl die heutige Nebensächlichkeit auslassen. Ich verwende die in meinem protestantisch-christlichen Umfeld übliche Schreibweise von G*tt. Da ich die Wahrheit nicht gepachtet habe, glaube ich nicht, dass das die ‚richtige‘ oder ‚einzige‘ Bezeichnung ist.

Nebensächlichkeit Nr. 19: Gott.

„Glaubst du eigentlich an Gott?“

Diese Frage wurde mir in meinem Studium erstaunlich oft gestellt. Und in den aller meisten Fällen habe ich darauf geantwortet:

„Ich hol mir jetzt noch was zum Trinken, soll ich dir was mitbringen?“

Nein, hab ich natürlich nicht.

Meistens hab ich gesagt: „Das ist jetzt eigentlich keine Frage für so Party-Smalltalk… wieviel Zeit hast du?“

Die Frage wurde mir auch schon ernsthaft gestellt, am Ende eines langen Abends voller Gespräche. Aber meistens tatsächlich auf Partys und mit diesem Blick, den vor allem Naturwissenschaftler gerne aufsetzen, wenn sie sich der Geisteswissenschaftlerin überlegen wähnen. Sie denken, da haben sie jetzt was Provokantes gefragt. Da wird’s jetzt ernst für die Theologin. Ja ja. Da muss sie jetzt was sagen und dann kann sie versuchen den gut gezielten vernünftigen wissenschaftlichen Fakten auszuweichen mit ihrem Kinderglauben. Ah. Upps. Das Wort fällt nicht im Kopf der Naturwissenschaftler, denn „Glaube“ an sich ist doch was für Kinder und Unvernünftige.

Genug gewettert.

Wäre manches anders gelaufen, wäre ich auch Naturwissenschaftlerin und würde nichts bereuen, aber ich hab eben mein Herz an die Literatur verloren und irgendwann mitbekommen, dass „die Bibel“ ja auch ein Buch ist und dass es recht interessant sein kann, sich mit seiner eigenen religiösen Tradition und seiner kulturellen Herkunft zu beschäftigen. (Erleichternd dazu kam meine Faszination mit der Ägyptologie und der Judaistik und naja… das sogenannte Alte Testament… ja ich sollte einmal ausführlich über die biblischen Texte etwas schreiben, aber nicht heute) So oder so, ich habe auch evangelische Theologie studiert und bin dabei in den zweifelhaften Genuss gekommen, immer wieder von Nicht-Theologen (und es waren immer Männer) gefragt zu werden, ob ich eigentlich an Gott glaube.

Und da das ja anscheinend eine interessante Frage ist, dachte ich, ich beantworte sie hier einmal. Also ernsthaft. Nicht nur mit mäandernden Ablenkungen und in Nebendiskussionen. Wobei das natürlich eigentlich die einzige Art ist diese Frage zu beantworten. Nämlich aufzuzeigen, dass die Form der Ja/Nein-Entscheidungsfrage fehl läuft.

Denn zumindest für mich (und ich weiß zufälligerweise relativ sicher, dass es für viele gläubige Menschen auch so ist) ist das „Ja“ auf diese Frage ein immer und immer wieder erkämpftes „Ja“. Zumindest immer mal wieder. Manchmal ist es ein leichtes „ja!“ zu sagen, in einer wohligen Glaubensgewissheit. Manchmal ist das „ja“ einfach da. Aber ganz insgesamt ist das eine so große Frage. Eigentlich mehr ein Prozess. Ein beständiges Fragen. Und oft genug ist die Antwort auch „nein“. Natürlich wird da jetzt der wissenschaftsmethodisch korrekte Naturwissenschaftler auf der Party sagen: Jedes Ausweichen ist doch eigentlich ein „Nein“, denn da bricht dir doch die Basis für das Theologiestudium weg. Und da sag ich dann: Naja. Fast.

Denn das Zweifeln gehört zum… nein ich sag jetzt nicht ‚Glauben’… zum Menschsein dazu. „Glaube“ ist doch, so wird doch gerne gesagt, „Nicht Wissen“. Und gerade das ist das Wichtige. Das heißt nämlich auch, dass alles Wissen mir den Glauben nicht ersetzen, nicht bringen und auch nicht nehmen kann. Und ganz nebenbei erwähnt, geht es im Theologiestudium sehr viel um Wissen. Da gibt es eine Menge zu lernen und eine Menge Wissen anzuhäufen. Ob da ein bisschen Glaube irgendwo versteckt ist und gefunden werden kann, ich weiß es nicht. Für mich war es das. Ein bisschen „Glaube“ hat mich im Studium dann schon gefunden. Hat mich gefunden. Nicht ich ihn. Glaube ist in seinen Auswirkungen in seinen Ritualen und Traditionen etwas sehr Menschengemachtes, aber unter all dem steckt darunter das religiöse Erleben des Einzelmenschen und das geschieht mit dem Menschen. Der Mensch kann sich nur öffnen dafür.

Aber genug in diese Richtung gestochert. Wie ist das also: Glaubst du eigentlich an Gott?

Ich erinnere mich noch gut an ein Mal, da hab ich diese Frage wirklich zugelassen. Es war eben nach einem langen Abend voller ernster Gespräche und ich hatte das erste Mal das Gefühl, dass eine ehrliche Antwort auch gehört wird. Ich erzählte zuerst, wie ich gerne ablenkte bzw. wie ich versuchte meinen sonstigen Fragestellern erstmal nahezubringen, WAS genau sie da fragen. Aber mit Blick auf den langsam dunkler werdenden Himmel und den Scherenschnitt der Bäume davor sagte ich:

Zumindest kann ich nicht „Nein“ sagen, solange ich noch Hoffnung habe.

Eines der allseits beliebtesten Bibelzitate ist doch „Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.“ (1. Korinther 13,13) Was oft übersehen wird, ist, dass das ein endzeitliches Zitat ist. Es geht um das was bleibt. Und das ist doch ein schöner Gedanke, dass letztendlich die Liebe die Stärkste bleibt. Und so spüre ich deutlich Liebe in mir und ich spüre deutlich die Hoffnung und wenn dann alles hart auf hart kommt, kann ich irgendwie den Glauben nicht verlieren, solange ich die zwei anderen habe.

Und damit stelle ich hier ganz nebensächlich so eine große Frage ins Internet. Es tut mir aber nicht leid. Ich glaube tatsächlich, dass die Frage nach Gott gänzlich nebensächlich ist. Viel wichtiger ist doch, die Hoffnung und die Liebe.

Ich hoffe, ihr holt euch jetzt alle noch ein Getränk eurer Wahl und stoßt an und lasst euch von mir nicht die Party verderben.

LandFrust: Unlust (18/33)

Nachdem ich letzte Woche „nix“ geschrieben habe, schreibe ich heute über Unlust und Langeweile.

Nebensächlichkeit Nr. 18: Unlust.

Die jeweils aktuelle Ausgabe meiner fiktiven Zeitschrift LandFrust schreibt sich eigentlich von alleine. Da ich mich an die und um die absolute Themenlosigkeit heran und herum schreibe und mir selbst ausdrücklich Nebensächlichkeit und Bedeutungslosigkeit auferlegt habe, habe ich eigentlich selten Probleme „etwas“ für den Blog zu schreiben. Aber in letzter Zeit habe ich einfach keine Lust. Oh, nicht dass meine letzten und nächsten Texte nicht gut wären! Ich finde sie super.

Lasst mich erklären.

Ich gehöre zu den Menschen, die sich eigentlich nie langweilen. Mein Kopf ist zu langsam, aber auch zu voll, als dass es mir langweilig werden könnte. Anders gesagt: Ich kann Langeweile genießen. Langeweile schafft – gut zu beobachten an kleinen Kindern – notwendige Freiräume im Kopf, die gefüllt werden können mit Neuem. Oft Blödsinn. Aber neu und frisch und notwendig für Kreativität. Unlust wiederum ist unkreativ. Sie setzt danach ein, wenn da etwas ist, dass zu tun wartet, vielleicht sogar etwas, das neu und aufregend ist, aber die Unlust verhindert es.

Einerseits gibt es die Kreativität stimulierende Langeweile, die also mit Blick auf dieses schöpferische Potenzial zu entschuldigen ist. Andererseits gibt es die böse Unlust, die zur Starre verdammende und zu verdammende Unlust, die das Gute ungetan sein lässt. Interessanterseits möchte ich aber für beide eine Lanze brechen. Langeweile und Unlust. Denn wie soll das auch getrennt werden in einer Welt, die es gar nicht ermöglicht, dass Langeweile aufkommt, wo Kindergartenkinder Terminkalender brauchen oder bräuchten und Erwachsene sich schuldig fühlen, weil sie sich in ’nur‘ einem Bereich engagieren, obwohl es doch so viele Baustellen gäbe. Da muss die Unlust ja als Retterin kommen und die Langeweile im Angesicht der vielen ‚Aufgaben‘ ermöglichen.

Aber zurück zu meinem Blog. Für mich steckt in der Unlust auch immer eine Warnung. Nämlich die Frage: Das und das müsstest du tun – warum willst du es nicht tun? Zumeist begnügt sich die Unlust mit keiner Antwort. Aber zur Zeit, wenn ich keine Lust habe für den Blog etwas zu schreiben, dann grinsen wir gemeinsam. Die Unlust und ich. Denn zur Zeit ist es die Lust am Schreiben, die mich abhält zu schreiben. Die Unlust diese netten Textchen hier zu schreiben, resultiert aus der unbändigen Lust andere Texte zu schreiben. Solche, die hier nicht so recht hinpassen. Und das ist gut!

Spätestens in der Überarbeitungsphase habe ich dann eh wieder Wörter über, keine Sorge und dann dreht sich die Unlust und ich werfe die virtuelle Druckerpresse an und haue eine LandFrust nach der anderen raus! Aber dann werde ich kein gutes Wort mehr über die Unlust verlieren!

Aber bis dahin wird mir nicht langweilig. Es gibt Geschichten zu erzählen (selbst wenn das Publikum nur ein Blatt Papier und mein Füller ist).

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[Dieses Bild zeigt mich in einer Art Büro. Gestaltet für eine Art Schnitzeljagd auf der die Teilnehmenden Formulare ausfüllen mussten in einer fiktiven und etwas chaotischen Verwaltung. Mein Büro war unbesetzt. Ich war die Schwangerschaftsvertretung. Und die Aufgabe der Teilnehmenden bestand darin eine Nummer zu ziehen und zu warten. Das war’s. Mehr nicht. Die Leute saßen also vor mir und langweilten sich exzessiv. Nebenbei spielte dudelige Musik und ich ging immer mal wieder zu einer „Kollegin“ ins Nebenzimmer und beschimpfte sie keifend (und sie mich, während sie sich immer und immer wieder die Nägel lackierte). Ich hätte nie gedacht das ‚Langeweile‘ spielerisch zu gestalten so lohnenswert sein könnte.]

Fashionblog: nix (17/33).

Das hätte ich jetzt auch „des Kaisers neue Kleider“ nennen können. Aber das ist irgendwie unkreativ. Oder?

Also Nebensächlichkeit Nr. 17: Nix.

Ausnahmsweise passt das mal zu meinem Vorsatz einen ‚Fashionblog‘ zu schreiben (übrigens hier eine kleine Erläuterung dazu). Nix. GAR NICHTS. Das könnte jetzt natürlich auch zu meinem Minimalismus passen. Ich habe mal den sehr weisen Satz gelesen: „Ist euch bei einem Umzug mal aufgefallen, wie schnell so ein komplett leerer Raum geputzt ist?!?“ Stimmt irgendwie. Wo nichts ist, da gibt’s keine Ecken und Kanten in denen der Staub hängt.

Und da fällt mir noch dieser Satz ein: „Wo nichts ist, da kann auch nichts hängen!“

Noch so ein weiser Satz. Dieser allerdings eher falsch. Nach jahrelangen Hallenbadbesuchen in München kann ich berichten, dass auch an sehr dünnen und sportlichen alten Menschen „was hängt“. Haut. Badekleidung. Enkelkinder.

Andererseits: Wo nichts dran hängt, da kann mensch auch nicht falsch angezogen sein. Nackt geht ja eigentlich immer, solange es nicht zu kalt ist.

Ich erspare euch die Geschichte, wo ich mal den Zeugen Jehovas nackt, nur mit Zahnbürste bekleidet, die Tür aufgemacht hab.

Denn eigentlich wollte ich ja heute nix schreiben.

Fashionblog: Sauerkraut (16/33)

Wie der Titel schon sagt, geht es heute um Sauerkraut. Also ums Essen und ein bisschen – wie häufig beim Thema Essen – um Kindheitserinnerungen. Und ein bisschen was Lustiges ist auch dabei.

Nebensächlichkeit Nr. 16: Sauerkraut.

Oh, ich weiß, was ihr denkt! Sauerkraut! Das wird ein kurzer Blogbeitrag! Was soll sie über Sauerkraut schon schreiben?! Eine der günstigsten Konserven in deutschen Supermärkten. Günstig, dafür aber sehr gesund. Eines der Lebensmittel die das Überleben in Mitteleuropa sicherten, als es noch keinen globalen Handel in heutiger Form gab. Etwas, das die Mitteleuropäer hatten, wenn anderswo noch Früchte und Gemüse frisch gedieh, aber bei ihnen das raue Wetter gerade mal Äpfel zulässt. Und neben denen eingelagert im Keller das Sauerkrautfass. Ja, was dazu weiter schreiben, wenn ich mich nicht in solchen historischen Details verlieren möchte? Wo ich doch vor allem auch keine Muse habe, die Erfolgsgeschichte des Sauerkrauts wissenschaftlich sorgfältig zu recherchieren. Ja, was schreiben?!

Sehr viel. Oh ja.

Als ich ein Kind war mochte ich Sauerkraut nicht bzw. ich habe es nicht gegessen. Tatsächlich war ich mir relativ sicher, dass ich den Geschmack mögen würde, wenn ich es essen würde, aber es war mir doch zu verdächtig pflanzlich, ich hielt mich also an die Fleischbeilagen. Heute esse ich lieber das Sauerkraut als die Fleischbeilagen. So kann sich das drehen. Aber mein eigentlicher Punkt ist, dass Sauerkraut einen Geschmack hat, der sich für mich in meiner persönlichen Geschmackswahrnehmung nicht geändert hat. Anders als zum Beispiel Oliven, die ich erst im Laufe meines Erwachsenenlebens zu schätzen lernte oder natürlich Kaffee, bei dem ich mich noch gut erinnern kann, wie widerlich ich ihn fand. Das sind zwei Beispiele, die wahrscheinlich für viele Menschen ihren Geschmack eigenartig ändern über mehrmaliges Probieren hinweg. Es ist eine Art der Gewöhnung und langsamen Wertschätzung. Bei Bier scheint das für viele ähnlich zu sein, aber bei mir hat da die Wertschätzung nie eingesetzt. Sauerkraut jedoch hat einen Geschmack, den ich – über das darin servierte Fleisch – auch als Kind kannte und schätzte. Ich weigerte mich eben einfach nur sehr lange es zu essen. Das änderte sich bei Sauerkraut, aber nicht bei anderem. Meerestiere zum Beispiel. Fisch esse ich sehr gerne, aber Krabben, Krebs, Muscheln usw.? Danke nein. Ähnlich wie beim Sauerkraut meiner Kindheit, weiß ich, dass mir das schmeckt oder schmecken würde. Ich habe es bei verschiedenen Gelegenheiten schon gegessen. Ich weiß, dass mir der meerige Geschmack zusagt. Aber nein. Das trifft sich natürlich heutzutage ganz gut mit meinem Vorsatz keine Tiere zu essen (oder zumindest nicht regelmäßig), daher mache ich mir nicht die Mühe, mich selbst in diesem Punkt komisch zu finden. Ich denke aber, dass meine Weigerung Meeresfrüchte zu essen, etwas mit der Konsistenz, also dem Mundgefühl zu tun hat. Und so war das wohl auch beim Sauerkraut. Klein-Julia mochte einfach nicht, wie sich das anfühlte im Mund. Und die heutige kleine Julia hat, was das anbelangt, immer noch Vorbehalte. Denn so gern ich ab und an Sauerkraut esse – ich esse es nicht roh und ich trinke keinen Sauerkrautsaft. Wer sowas macht? Also Sauerkrautsaft trinken?! Das gebe ich mit Verweis auf den Quellenschutz natürlich nicht bekannt (haha, Quellenschutz… ich bin gar keine Journalistin, aber psssst!). Ich möchte ja niemanden bloß stellen… ich schüttle mich bei dem Gedanken. Also dem Gedanken an Sauerkrautsaft. Brrrrr.

Aber da gibt es noch mehr zu erzählen aus meiner Sauerkraut-Kindheit. Es gab nämlich mal eine Trickfilmserie, die „Sauerkraut“ hieß. Oder so ähnlich. Ich habe auch das nicht recherchiert sondern verlasse mich gerade auf meine romantisch verklärten Kindheitserinnerungen. Es ging irgendwie um ein Dorf und um Sauerkraut und das Dorf hieß Sauerkraut. Und mein Bruder J und ich haben das gerne angeschaut. Er hatte sogar eine Plüschfigur der Serie – den Dorftrottel. Und dass das unsere Lieblingsfigur war, dürfte eigentlich niemanden überraschen. Ob und in welcher Form der Konsum dieser Serie ‚gut‘ war für uns, weiß ich nicht. Meine Mutter versicherte mir kürzlich, dass das „ganz nett“ gewesen sei – Dorfprobleme, die dann gemeinsam oder durch die ‚Dummheit‘ des Dorftrottels gelöst wurden. Wobei – hier stütze ich mich mehr darauf, was meine Mama mir sagte, als auf meine kindliche Beobachtung – diese ‚Dummheit‘ mehr eine Einfältigkeit im Lutherischen Sinne gewesen sein muss. Bei Luther ist nämlich Einfalt die EINE Falte des Herzens. D.h. da ist das Herz ein ehrliches und einfaches, keine Hinterlist in ihm, keine Doppelbödigkeit. Eigentlich recht sympathisch.

Ja, ich halte das für eines meiner Talente so aus dem Nichts Luther bringen zu können. Ist ja auch schon bald wieder Reformationstag, wo die Kinder in Gespensterkostümen von Haus zu Haus gehen und Lutherbonbons von meinen ehemaligen Theologieprofessoren bekommen und wir Evangelischen uns ärgern, dass der Tag nur alle 100 Jahre mal Feiertag ist. Na wenigstens Bonbons und nicht Sauerkraut.

Also es sollte jetzt schon klar geworden sein, dass ich überhaupt nichts gegen Sauerkraut habe. Ich mag auch das koreanische Pendant dazu: Kimchi. Sehr lecker. Überhaupt ist Koreanisches Essen sehr lecker. Ich sage immer, dass koreanisches Essen für den deutschen Geschmack wahrscheinlich der einfachste Weg ist, sich den unterschiedlichen asiatischen Kochtraditionen anzunähern. Da gibt es Kimchi, was wie Sauerkraut ist nur mit Paprika gewürzt (alle Kenner_innen der koreanischen Küche müssen mir hier meine kruden Vereinfachungen verzeihen) und Omelettes mit Frühlingszwiebeln… okay jetzt bekomme ich Hunger. Also doch ganz einfach Sauerkraut. Kann doch eigentlich jeden Tag gegessen werden?! Vielleicht nicht zum Frühstück, aber abends… Nach einmal Aufwärmen ist es dann ja auch besser als am Vortag. Und wie gesagt günstig..

Meine Oma erzählte kürzlich, dass (ich glaube es war ihr) Onkel von seiner sparsamen Frau eine Woche lang Sauerkraut abends serviert bekam. Doch selbst der enthusiastischste Schwabe scheint da an seine Grenzen zu kommen. Als am Freitag schon wieder Sauerkraut im Topf auf dem Tisch stand, wurde er wütend und packte das Nächstbeste und setzte es in den Topf.

Es war die Katze.

LandFrust: Haustiere (15/33)

Heute spreche ich über Haustiere. Unübliche und unmögliche Haustiere, allerdings geht es weniger exotisch zu als ihr jetzt denkt, wenn ich sage, dass ich auch kurz mal über Spinnen rede.

Nebensächlichkeit Nr. 15: Haustiere.

Auch diese Nebensächlichkeit ist mir zugetragen worden: Unübliche und unmögliche Haustiere. Und ich muss sagen, dass ich mich erschreckend wenig mit diesem Thema auskenne. Insbesondere erschreckend, weil ich doch irgendwie schon zuständig bin für das Leben und Sterben von einigen Lebewesen in meinem direkten Umfeld. Aber sind wir das nicht alle… Was ich meinte ist, dass ich keine Haustiere halte und nicht vor habe, welche zu halten. Zumindest keine üblichen, aber vielleicht doch mal unübliche, das muss ich jetzt mal kurz durchdenken.

Wir hatten ja mal einen Hund. Und der war schon manchmal echt unmöglich. Im Alter gehörte es zu ihren (sie hieß Susi) liebsten Hobbies einfach auf dem Feld zu sitzen. In ihrer Jugend war sie motivierter, außer wenn es regnete, denn dann wollte sie nicht aus dem Haus gehen. Und mein ganzes Studium hindurch war „Susi“ mein Geheimwort, wann immer ich ein geheimes Codewort brauchte (was häufiger vorkam als anzunehmen war). Auch unmöglich sind die Katzen meiner Brüder. Also für mich unmöglich, denn ich bin allergisch und wir Alle (=mein Papa und ich) wissen, dass Katzen am liebsten bei den Leuten auf dem Schoß sitzen, die allergisch sind. Außerdem sind sie auch noch unmöglich groß. Katzen Nummer grau und rot von Bruder Nummer 3 sind lediglich so groß, dass ich mir wie die Zuschauerin einer Löwenbändigerinnen-Nummer vorkam als Kuku sie zum ersten Mal sah und Katze Nummer rot ihr direkt mal die Pfoten auf die Schultern legte. Da bin ich jetzt natürlich im Nachhinein froh, dass das nicht die Katzen Nummer groß und größer von Bruder Nummer 2 (offensichtlich bin ich in unserer Familie die Nummer eins…) waren denn da wäre meine Kuku einfach mal komplett platt gewesen. Das erste Mal sah ich diese Katzen auf einem Photo und die Katze Nummer größer saß neben einem Staubsauger. Kennt ihr das, wenn ihr ein Photo von etwas seht und die Größe falsch einschätzen würdet, würde da nicht ein Markstück (ja in meiner Vorstellung ist es auch immer noch ein Markstück) ins Bild gehalten werden? So in etwa. Nur mit Staubsauger…. Dann doch lieber Katze Nummer grau, das ist das Fellkissen da drüben und wenn dich das runde Ding mag, dann nuckelt es an deinem Tshirt.

So ganz unüblich sind diese Viecher wohl nicht als Haustiere. Anders als Spinnen. Die versuche ich ja jetzt immer Tierliebenden als meine Haustiere zu verkaufen und tatsächlich hat eine unserer Spinnen die gesamte Urlaubsreise in unserem Außenspiegel mitgemacht. Da saß sie hinter dem Glas und hat hervorgespitzt und hin und wieder ist sie rausgekrabbelt und hat ihr Netz gerichtet. Ganz fleißig. Und wir wurden wirklich seltener als sonst von Mücken zerstochen. Nützlich!

So richtig unüblich ist aber wohl das Haustier mit dessen Anschaffung ich nun doch liebäugele. Pflegeleicht, lässt sich immer streicheln und ist in allen Preisklassen erhältlich. Da ich aber ein Fan von naturnaher Aufzucht bin, möchte ich es mir in der freien Wildbahn fangen. Nein ich rede nicht von digitalen Taschenmonstern, die ich mir aufs Handy laden könnte. Ich rede vom viel gepriesenen aber selten angeschafften „pet stone“ also dem Haustierstein. Es ist ein Stein. Als Haustier. Vielleicht ein bisschen ein unmögliches Haustier, weil so ein Stein ja strenggenommen kein Tier ist. Aber über solche Haarspaltereien gehe ich großzügig hinweg. Und in Gruppen völlig unproblematisch zu halten auch und gerade im Außenbereich, wie in beliebigen Neubausiedlungen vorgeführt wird. Perfekt.

Und ins Bett darf er auch – vielleicht sogar leicht im Wasserbad vorgewärmt…

LandFrust: Action (14/33)

Heute gibt es ein wildes Rennen. Haltet euch fest. Und die Mama ist auch dabei.

Nebensächlichkeit Nr. 14: Action.

Ihre Finger zitterten, sie ballte sie zur Faust und schloss die Augen. In ihrer Brust brodelte der Herzschlag. Langsam stieg die Nervosität in ihr auf. Die Beine steif durchgestreckt wie eine Turnerin verharrte sie noch reglos, noch ein Moment der Ruhe. Gleich ging es los. Die Gedanken hinter den bunten Farben, die sie auf ihren geschlossenen Lidern sah, fokussierten sich. Sie wusste, was jetzt zählte, und holte tief Luft. Ihre geballten Hände brachte sie in die richtige Position, angewinkelt vor der Brust. Rücken gerade, Kopf gereckt. Dann ging es los. Ihre Füße waren so leicht, als müssten sie den Boden nicht berühren. Die Strecke sprang ihr entgegen. Ihre Beine fanden den Weg von selbst, umtanzten die Hindernisse. Die Nervosität löste sich auf in einem Geschwindigkeitsrausch. Ihr gelocktes Haar flatterte frei um ihren Kopf, nichts engte sie ein. Die Welt verengte sich auf einen Pfad vor ihr und niemand konnte sie einholen. Sie wusste, dass sie noch schneller rennen konnte, sie nutzte das. Beschleunigte im entscheidenden Augenblick, nahm dennoch die Kurve mit Eleganz. Der Jubel in ihrem Kopf brandete los. Sie wusste, sie war die Beste. Dafür brauchte sie keine Ergebnisse zu sehen, niemand musste ihr das sagen. Fast war sie verwundert, dass ihr Atem schwerer ging, als sie dann doch zum Stehen kam. Stolz glühte durch sie hindurch. Das war keine Erschöpfung, das war Glanz und Triumpf, das war die Vorfreude auf das nächste Rennen. Nur wie von Ferne drang langsam die Wirklichkeit wieder zu ihr. Völlig unbeeindruckt von ihrer Leistung schien alles noch am selben Platz zu sein wie vorher und die Mama rief: „Gehst du jetzt bitte Händewaschen! Wir wollen Essen! Du kannst nachher weiterspielen.“

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[Ich schwöre, gerade war Kuku noch da…]