LandFrust. Nochmal ein Rückblick.

Doch noch mal zu 2018.
Rückblickend wundere ich mich, wie schnell das Jahr vergangen ist. Es war gar kein so schlechtes Jahr. Nur anstrengend. Oder vielleicht wäre es richtiger zu sagen, es war ein Jahr, das mir beibringen wollte im anstrengenden Alltag die Freude zu sehen. Das große Glück, das ich erleben darf jeden Tag. Und damit wären wir auch schon wieder bei den (guten) Vorsätzen für nächstes Jahr.

Ich will das große Glück. (Jetzt in Ihrer LandFrust! Lesen Sie jetzt! Nicht am Kiosk, sondern nur im Internet Ihres Vertrauens!)

Ich hab es natürlich schon. Frag den größeren Teil der Weltbevölkerung, wie ein Leben wie meines zu bewerten ist, und es wird sich bestätigen: es ist das große Glück. Was ich also will von mir selbst, ist, dieses große Glück zu sehen. Ich sehe es so oft nicht.
Und dann halte ich inne und es schiebt sich wieder in mein verengtes Sichtfeld.
Das große Glück. Und allein das Loslassen, Aufatmen, lässt es mich auch wieder spüren. Und ich bin nicht mehr so angespannt, so gestresst.
Was genau kann ich „öfter“ machen, um das große Glück einzuladen, mich öfter mal zu überwältigen? Auch keine neue Erkenntnis, dass ein „mehr“ XY machen, ein Vorsatz ist, der nicht durchgeführt wird. Der in Frustration umschlägt, weil er nicht erreicht wird. Glücksgefühle sind kein Dauerzustand, der erreicht wird und dann bleibt. Was also ist dieser Vorsatz im Kern? Was ist er im Alltag? Was ist er Schritt für Schritt? Worauf will ich in einem Jahr zurückblicken?
Ich muss auch sagen, dass ich gar nicht unzufrieden zurückblicke.
Ich hatte mir vorgenommen, ein besserer Mensch zu werden. Schon vor ein paar Jahren. Es hat lange gedauert, es dauert immer noch an. Aber betrachte ich die vergangenen Jahre unter diesem Aspekt sehe ich, wie sich etwas verändert hat. Etwas in der Art wie ich Menschen wahrnehme und behandle. Ich habe diesen Vorsatz immer noch. Es ist ja eine Dauerbaustelle ein besserer Mensch zu werden. Ich bin auch noch nicht zufrieden. Aber blicke ich zurück, sehe ich, dass mich dieser Vorsatz auch näher am großen Glück leben lässt, wo ich doch nun mal leben möchte. Näher. Sodass ich mein Herz nicht immer riesig weit aufreißen muss, riesig viel Anlauf nehmen, riesig viel Luft holen und riesig lange Innehalten muss, um es zu spüren. Wo es doch eigentlich dauerhaft da ist und ich nur dauerhaft zu gestresst.

Aber zurück zum besseren Menschen. Es gibt keine Wegmarken, keine definierbaren Zwischenziele auf dem Weg zu einem besseren Menschentum. Es ist ein Bemühen, das in sich schon die Erfüllung des Vorsatzes ist. Einfach nur beständig auf diesem Weg zu sein – mehr kann ich nicht erreichen. Aber wie bleibe ich auf diesem Weg? Es muss konkret sein, damit ich es bewusst tun oder vermeiden kann. So nahm ich die Gastfreundschaft. Meine Mutter ist eine wunderbare Gastgeberin und so hatte ich Anschauungsmaterial – was konnte ich davon auch tun, damit sich Menschen bei uns Zuhause wohlfühlen?! Ich bekomme zu selten Besuch, um diesen Punkt als Erfolgspunkt zu nennen. Aber ich merke, wie ich glücklicher geworden bin, weil ich Menschen bewirten durfte im vergangenen Jahr und mich bewusst darauf konzentriert habe, das besser als früher zu machen.

Jetzt hoffe ich auf viele Gäste dieses Jahr!

Fashionblog: Weich sein.

Weich sein. Das ist etwas, das ich mir vornehme dieses Jahr.
Stark sein wird so oft mit Aggressivität in Verbindung gebracht. Aber was gibt es Schöneres als von etwas umgeben zu sein, das einen weich und warm und stark hält?
Ich versuche deshalb nicht primär stark zu sein. Sondern weich.
Vielleicht ist es auch angebracht die christliche Komponente anzumerken. Die andere Wange hinhalten. Geben, ohne dass die linke Hand weiß, was die rechte tut.
Es steht ja so viel in der Bibel und vielleicht gebe ich irgendwann einmal das Seminar von dem ich schon lange träume – bisher scheitert es noch am Titel… vielleicht ein Volkshochschulkurs: „Wo steht das bitte? – Mal in der Bibel nachlesen! Einmal in der Woche mit fremden Leuten bekannt geglaubte Texte neu lesen.“ – Wer würde kommen wollen?
Jedenfalls geht mir das in letzter Zeit viel im Kopf hin und her. – Das Weichsein. Das eben nicht hart und stark und kampfbereit sein. Sondern weich sein. Nachgeben, wenn auch nur soweit, dass es sich Andere auch mal bei mir bequem machen können. Wie sollen wir denn miteinander reden, wenn jeder nur Meinung und Kante und Profil zeigt?
Ich kann das nicht immer. Also das Geben ohne Hinterherzugucken. Das ruhig stehen bleiben, wenn ich mich verletzt fühle. Das mich nicht wehren, wenn ich wirklich verletzt werde. Ich glaube auch gar nicht, dass ich das immer muss. Aber ich glaube, es tut mir und meiner Umwelt gut, wenn ich weich bin.
Beispielsweise kann ich nicht besonders gut zuhören oder um es genauer zu sagen: Ich würde schon gerne zuhören, aber ich bin nicht sehr geschickt im Fragen und drücke mich darum, Gesprächsstrategien zu erlernen. Außerdem rede ich auch viel zu gerne selbst. Ich will hier nicht in diesem Sinne ‚weich‘ sein, dass ich öfter die Klappe halte – damit würde ich mir selbst untreu werden. Aber ich versuche mein Sprechen weicher werden zu lassen. Ich versuche zu paraphrasieren, was mir erzählt wurde, ich versuche, was gesagt wurde einfach stehen zu lassen. Und da ist dann die Weichheit ganz wichtig: Wenn ich etwas höre, das in mir die Stacheln der Vernunft oder die des (Besser-)Wissens aufstellt, dann versuche ich nicht, etwas zu sagen, sondern es entweder stehen oder mir erklären zu lassen.
Das macht für mich einen sehr großen Unterschied. Und ich musste nicht einmal das Fragen lernen, wie ich es befürchtet hatte – denn ich mag nur dann nicht Fragen, wenn mich die Dinge nicht interessieren. Aber im Interesse der Weichheit, kann ich eine ganze Menge fragen. Dinge, von denen ich dachte, dass ich sie wüsste.

Meine (guten) Vorsätze für 2019

Ein Frohes Neues Jahr allerseits! Ich dachte, ich erzähle mal was über meine (guten) Vorsätze für 2019.

Der erste ist schon erkennbar am Datum! Heute ist der 4.1.2019. Ich befinde mich also noch in diesem Zeitraum, in dem wir alle uns über unsere (guten) Vorsätze Gedanken machen, aber zu lesen wird dieser Beitrag erst am 8.1.2019 sein. Das ist mein erster (guter?) Vorsatz! Ich möchte es dieses Jahr schaffen, einmal die Woche etwas zu veröffentlichen. Deshalb auch „gut“ in Klammern, denn ob das wirklich ein guter Vorsatz ist, ist noch fraglich. Einerseits könnte die Qualität meiner Texte entweder unter der hohen Frequenz leiden oder meine Leserschaft hoffnungslos überfordern, wenn sie wöchentlich mit meiner Plapperwut überspült wird. Andererseits könnte es heißen, dass ich einfach nur noch Statusupdates liefere, wie es sonst so bei mir läuft. Interessanterseits denke ich mir, dass es eine gute Möglichkeit ist, meine Oma mit Lesestoff zu versorgen. Und das allein macht es dann doch zu einem guten Vorsatz. Ohne Klammer.
Meine weiteren Vorsätze sind demgegenüber eher mal langweilig und daher nur (gut) in Klammern. Ich möchte, wie die letzten Jahre auch, mich täglich bemühen anderen Menschen Komplimente zu machen. Ich möchte mich außerdem bemühen, positiv zu bleiben. Und ich möchte weich bleiben. Nachgiebig. Dazu in einem anderen Beitrag vielleicht noch mehr.
Ich möchte außerdem ein besserer Mensch werden, was auch immer das heißt. Und dann kommen noch ein, zwei sehr konkrete Ziele für dieses Jahr hinzu, die ich mir selbst erst einmal in handhabbare Stückchen zerkleinern muss, damit ich sie auch wirklich Stück für Stück jeden Tag verfolgen kann.
Das ist nämlich die andere Sache, die Vorsätze nur so in Klammern (gut) macht. Sie sind per se so groß. So übergreifend. Und wenn sie es nicht sind, sind sie nicht inspirierend. Aber so etwas wie „ein besserer Mensch sein“ ist so abstrakt. Es ist ein Ziel, das keines ist. Etwas das ich nie erreichen kann, denn „besser“ geht ja immer.
Deshalb ist es aber ja auch wichtig sie zu haben. Sich seine Ideale zu formulieren. Etwas abstraktes, großes und positives für sich selbst formulieren. Es ist gut, auch das Gute zu sagen. Nicht nur zu sagen: „Ich verfehle meine Mitmenschen. Ich bin egoistisch. Ich tue nicht genug für Andere.“ Nicht einfach nur zu sagen: „Ich will mich ändern.“ (Obwohl, das natürlich schon ein guter Anfang ist.) Sondern sich selbst zu sagen: „Ich will ein bessere Version von mir selbst sein.“
Aber dann ist es eben auch wichtig, sich zu überlegen, wie das denn gehen kann. Was kann ich selbst jeden Tag machen, um ein besserer Mensch zu sein? Jeden Dienstag einen kleinen Text zu veröffentlichen, ist auch nur machbar für mich, wenn ich mich an meinen Fahrplan halte. Für diesen Vorsatz ist der leicht erstellt (nicht ganz so leicht eingehalten): Ich muss einfach nur schauen, dass ich jeden Tag etwas schreibe. Und dann, wenn ich mehr Zeit und Ruhe (das ist der schwierige Part), so viel wie möglich veröffentliche. (Ich habe hier die Funktion Texte in die Warteschleife zu schicken, was ich auch schon gemacht habe, als ich mir selbst zu meinem 30. Geburtstag 30 Dinge geschenkt habe.)
Wir werden sehen, wie gut das klappt.

Fashionblog – Ohne Pferd

Das ist ein ähnlich schwieriger Text für mich, wie der über meine schönste Bushaltestellen-Begegnung hier.
Ich weiß nicht, ob es nur mir so geht – ich glaube aber nicht – ich finde es manchmal sehr traurig, nicht mehr tun zu können. Nicht besser anderen Menschen helfen zu können. Wer wäre nicht gerne der Ritter auf dem weißen Pferd, der die Dame in Not rettet… so unzeitgemäß dieses Bild auch ist. Es gibt genug Situationen in denen Menschen und unter ihnen viele Frauen, Hilfe brauchen. Und es gibt sehr viele Gründe, warum gerade ich keine gute Kandidatin bin, diesen Menschen zu helfen. Und das finde ich schon manchmal traurig. Ich habe nicht unendlich Geld zur freien Verfügung, das ich spenden kann. Ich bin nicht kräftig. Ich bin Mutter zweier kleiner Menschen, die mich tagtäglich brauchen und habe deshalb zu wenig Zeit darüber hinaus noch anderen zu helfen. Ich bin schlicht nicht qualifiziert für manchen Hilfeleistungen oder einfach zu weit weg.
Aber statt mich in Ausreden zu wälzen, möchte ich positiv an die Sache herangehen und auf das schauen, was ich tun kann für Andere. Und manchmal ist da ein großer schwarzer Kinderwagen fast so gut wie ein Pferd. Aber dafür muss ich nochmal ausholen.
Unser Chefredakteur bei der LandFrust (ihr wisst schon, meiner fiktiven Zeitschrift) GruGru und ich haben einen Ausflug nach Leipzig gemacht, um dort meine liebste Theaterbegleitung zu besuchen. Und was macht man, wenn man der Laune des Chefredakteurs entgegen kommen muss? Genau man geht spazieren. Oder besser: „wageln“ wie man das hier bei uns nennt. Also mit dem Kinderwagen spazieren. Dabei kamen wir – uns angeregt unterhaltend – an einer Straßenbahnhaltestelle vorbei und mir fiel eine junge Dame auf, die sich ebenfalls in einer angeregten Unterhaltung befand. Oder besser gesagt: die sehr angeregt beredet wurde. Von einem Mann mit einer Bierflasche in der Hand. Erst dachte ich, sie antwortet, aber dann zog sie demonstrativ ihr Handy heraus, während der Mann einfach weiter auf sie ein sprach. Und dann hob sie es mit leicht verzweifelter Miene an ihr Ohr, als ob sie jetzt wirklich ein sehr wichtiges Gespräch zu führen hätte. Ohne dass der Mann das irgendwie zur Kenntnis genommen und den Abstand zwischen ihnen vergrößert hätte und der Abstand lag unter dem, was ich als angenehmen Gesprächsabstand erachte.
Wir wagelten genau an dieser Szene vorbei und ich begriff, dass das der Moment war. Ich ergriff die Chance, das stark aber sehr gekonnt geschminkte Gesicht der jungen Dame direkt anzusehen, lächelte mein breitestes Lächeln, kniff fragend die Augen zusammen und sagte in der wilden Hoffnung (ich war schon sehr aufgeregt), dass sie es verstehen würde:
„Hey! Kennen wir uns nicht…“
Woraufhin sie mich so herzlich anstrahlte und sich zu uns hinter den Kinderwagen quetschte, dass ich für einen Moment tatsächlich glaubte, eine alte Freundin getroffen zu haben. Wir schritten flott weiter, weg von einem sehr perplexen angetrunkenen Mann, bis zum Ende des Bahnsteigs. Dort löste sie sich mit einem erlösten und nicht mehr herzlichen, nur sachlich genervten „Dankeschön“ von uns und wir gingen unserer Wege.
Das Alles dauerte nur wenige Minuten und wir hatten nicht einmal richtig angehalten. Meine Theaterbegleitung gestand mir, dass ihm nicht einmal richtig bewusst geworden war, was da gerade geschehen war. Aber mir war es nur zu bewusst. Ich hatte zum ersten Mal eine – wenn auch klitzekleine – Heldentat getan. Ich hatte mir selbst gezeigt, dass man hinter einem Kinderwagen zwar unsichtbar ist, aber dass man diese Unantastbarkeit nutzen kann und öffnen kann. Andere mit hinein nehmen. Ich habe mir selbst gezeigt, dass ich sehr wohl helfen kann. Vielleicht nicht im Großen, aber wer weiß, was diese Frau nun machen wird. Vielleicht wird sie eines Abends an einem dunklen verlassenen Bahnhof dasselbe für eine andere Frau tun, weil sie nun weiß wie.
Es war schwierig für mich diesen Text zu schreiben, weil ich mich nicht selbst loben möchte für ein Verhalten, das eigentlich selbstverständlich sein sollte. Es ist nicht selbstverständlich, das weiß ich, weil ich selbst auch erst lernen musste, wie das geht. Solidarisch sein mit (potenziellen) Opfern. Aber es ist einfach. So einfach wie mit einem Kinderwagen spazieren gehen. Der Person, der man helfen möchte in die Augen sehen, ihr eine Handlungsoption anbieten und ihr ermöglichen sich selbst aus einer unangenehmen Situation zu befreien. Man muss sich nicht mit Drachen prügeln oder Leuten sagen, wie sie sich zu benehmen haben. Manchmal reicht es einen sicheren Hafen anzubieten.

LandFrust: KuKu zwitschert

Wir wollen ja hier nicht über die vogeltragende Zwitscherseite schreiben, die derzeit die Weltpolitik regeln hilft. Nein. Wir schreiben hier lieber über Kinder.

Also eigentlich auch nicht. Lassen wir lieber die Kinder selbst schreiben.

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Okay, das war wohl eher nicht so erfolgreich.

Falls ihr euch jetzt fragt, worin das Thema der heutigen Ausgabe meiner fiktiven Zeitschrift der „LandFrust“ besteht, dann lasst euch gesagt sein, dass ihr nicht alleine seid. Ich weiß es auch nicht. Aber es ist sehr sehr wichtig. Und sehr laut. Und blond gelockt. Und ist sehr überzeugt davon, das Richtige zu sagen. Überhaupt sehe ich keinen einzigen Grund, warum Kuku mit ihren Aussagen nicht auch die Weltpolitik steuern könnte.

Heute jedenfalls für euch zusammengestellt: Große Weisheiten zwischen zwei Gummibärchen und einer Tasse Milch geäußert. Ohne weitere Kommentierung:

„Schimpfen ist nicht Aufpassen!“

„Der Kaffee ist auf den Tee gefallen!“ [Das ist schon beinahe Dadaistisch.]

„Die Rosinensemmel lag auf der Hundekacke!“ [Hatte ich erwähnt in welcher Entwicklungsphase sie sich befindet?? Ihr Lieblingslied derzeit ist: „Kaaaackaa kackaaaa Scheißscheißscheiß“ – sorry, ich wollte ja nicht kommentieren, wollte nur sichergehen, dass niemand denkt, wir hätten einen Hund…]

„Das ist eine Uhrzeitung, die kann man aufschlagen und die Uhrzeit drin lesen!“

„Meine Lieblingspizza ist Pizza mit Tomaten, aber ohne Tomaten!“

„Männer sind wie Knuspermüsli. Denn das ist Knusper und Männer sind auch Knusper.“

[Und für Alle die sich nicht sicher waren:] „Frauen sind besser als Männer. Denn Frauen sind Mädchen“

Das nächste Mal dann in der neuen LandFrust: Die fünfzig schönsten Babygeräusche und was sie eventuell bedeuten könnten.

 

LandFrust: Das Wort des Tages

Mein Vater und ich haben ein kleines Spiel. Eine kleine lustige Angewohnheit, wie wir schon viele über die Länge unserer Beziehung hatten. Diese ist recht neu, aber ich hoffe, sie bleibt uns eine Weile. Genau genommen weiß mein Papa gar nicht, dass ich mitspiele. – Jetzt schon, wenn er das hier liest.
Mein Papa hat sich ein paar gute Dinge für die Zukunft vorgenommen: jeden Tag Gitarre spielen, regelmäßig im Garten arbeiten, usw. aber am Besten finde ich persönlich: das Wort des Tages. Allseitiger Favorit war bisher „Wassermanagement“. Ab und an – und damit komme ich zu meinem Beitrag zu diesem Spiel – frage ich ihn nach dem Wort des Tages und überlege mir selbst, was ich dazu schreiben würde. Und heute schreibe ich das dann auch und veröffentliche es hier.
Das Wort des Tages ist: Zahnreinigung.
Ja, was lässt sich dazu schon schreiben, mag man denken. Mit offenem Mund unter hellen Lampen und einer hoffentlich gut ausgebildeten Fachkraft zu liegen, die einem eine Menge Fragen stellt ohne aus dem offenen Mund eine Antwort zu erwarten, ist vielleicht nicht die beste Grundlage für kreativen Textfluss.

Aber gerade das ist doch das Interessante. Oder zumindest kann ich meinerseits sagen, dass ich das interessant finde. Was nämlich diese Fachkraft so alles zu sagen hat. In meiner Studentinnenzeit war die regelmäßige Zahnreinigung ein lohnenswerter Luxus, den mir mein jetzt fleißig Wort des Tages ausdenkender Vater gerne gewährt hat. Und diese Tradition führen mein Mann und ich weiter, indem wir uns den Luxus gönnen, immer noch in unsere Studienheimat zum Zahnarzt zu fahren. Das hat mehrere Gründe, aber der wichtigste ist wohl die Zahnreinigung. Durchgeführt von einer gewissen Frau Minny Mauser (die in Wirklichkeit natürlich anders heißt). Ob wir jetzt dank ihr perfekte Zähne haben, sei mal dahin gestellt (das hängt wahrscheinlich mehr davon ab, wie gewissenhaft wir selbige nach der Behandlung weiterpflegen).

Aber dank ihr haben wir nach jedem Zahnreinigungstermin das Gefühl, einen eigenen Ein-Personen-Fanclub zu haben. Und dank Minny habe ich einen ganz genauen Anhaltspunkt, ab wann ich wirklich begonnen habe den bayerischen Dialekt zu verstehen. Als wir noch in München gewohnt haben, war nämlich meine Zahnreinigung bei Minny eine der wenigen Gelegenheiten, in denen ich mit ‚echtem‘ Dialekt in Berührung gekommen bin. Die Bekanntschaft mit einer dialektsprechenden Kommilitonin beschränkte sich auf eine einzige Unterhaltung, da wir beide das Gefühl hatten, aneinander vorbei zu sprechen (was wohl auch der Fall war… ich nehme bis heute an, dass ihr Zweitfach Mathematik war) und das was ich im Bäcker und auf der Straße für Bayerisch damals hielt, entpuppte sich als etwas, das man wohl eher mit ‚Regiolekt‘ bezeichnen sollte, also eine Umgangssprache, die typisch für eine bestimmte Region ist (falls jemand die richtige Definition davon kennt und sie anders lautet als, was ich hier geschrieben habe, dann möge man mich korrigieren).

Aber Minny überflutete mich so mit gesprächigem Bayerisch, dass sich mir darin eine völlig neue Welt eröffnete. Nicht, dass ich am Anfang mehr verstanden hätte als von erwähnter möglicherweise-Mathematik-Studentin. Aber sie war fröhlich und nett und plapperte mich voll und ich konnte mich zurücklehnen (wortwörtlich) und mich – während mir ein Sauger den Mund aussaugt und Minnys Instrumente meine Zähne bearbeiten – von den vertraut-fremdklingenden Worten durchspülen lassen. Ich kam immer heim und erzählte meinem damaligen Freund, was ich glaubte, dass sie mir von „der Schellingstraße als noch richtig was los war“ und „ihrer Schwester, die wunderbare Hochzeitsfrisuren stecken kann“ erzählt hat. Aber vielleicht war das mit der Schwester auch irgendetwas, das mit einem Boot zu tun hatte. Ich war mir nie sicher. Aber es war immer so fröhlich und positiv. Minny gehört zu diesen Menschen, die so unglaublich positiv sind. Ich komme schnell an die Grenze meiner Kreativität, wenn es darum geht Umstände, Menschen, Dinge zu loben. Aber Minny konnte sich in immer weiteren Gesprächsspiralen um ALLES SCHÖNE in München schlängeln. Letztlich glaube ich, dass mir meine eigene Unfähigkeit mehr als ein, zwei Sätze zum Glück um mich her sagen zu können, erst bei der Zahnreinigung aufgefallen ist. Ebenso wie mein Unvermögen nach einem ganzen Studium in München Bayerisch zu verstehen.

Aber dann kam unser Umzug. Und nach nur wenigen Monaten in unserer neuen niederbayerischen Heimat (Niederbayern) [dieser Zusatz war jetzt ganz allein für meinen Papa… und für die Niederbayern von deren Heimatliebe jeder Fähnchenschwenkende Fußballfan noch etwas lernen kann], also nach nur wenigen Monaten in unserer neuen Heimat verstand ich Minny plötzlich einwandfrei. Ja ich konnte kaum mehr als einen gewissen charmanten bayerischen Tonfall in ihren Begeisterungsrufen (beim Anblick unserer kleinen Familie) entdecken.

Jetzt wo ich dran denke… ich muss unbedingt einen Zahnarzttermin (mit Zahnreinigung) vereinbaren…

LandFrust: Ein Brief an Dich

Hallo Du!
Ich dachte, ich melde mich mal auf diesem Wege. Es schreibt ja fast niemand mehr Briefe, aber ich liebe es sehr. Ich bin gerade im Wald und der Himmel ist so blau als wolle er Werbung machen. Ich sitze an einem von der Sonne verwitterten und von Wespen angeknabberten Holztisch, direkt an einer Klause. Das ist hier ein künstlich aufgestauter See. Er ist fast schwarz, trotz des blauen Himmels, und macht die Luft hier herrlich kühl. Kein Windhauch kräuselt seine Oberfläche. Ich wünschte, du wärst hier. In diesen ruhigen Momenten überkommt mich eine so starke Sehnsucht nach dir, dass mein Kopf sogar anfängt mir Bilder vorzugaukeln. Davon wie du neben mir hier durch den Wald gehst. Ich würde so gerne mit dir spazieren gehen und mir von dir dein Leben erzählen lassen. Meistens frage ich ja zu wenig nach, aber das ist einfach nur eine Schwäche von mir. Eine sehr ärgerliche Schwäche, die verhindert, dass ich so interessante Geschichten wie die deine höre. Und natürlich ist es mir auch einfach manchmal peinlich. Wie würde es denn klingen, wenn ich fragen würde: Magst du es auch so gerne wie sich der blaue Himmel von den dunklen Nadelbäumen abhebt? Sieht der Wald bei euch auch so aus wie hier? Ein Teppich von Heidelbeersträuchern und zu viele Fichten? In der Schwangerschaft konnte ich immer so tief Luft holen. Und hier im Wald kann ich es immer.
Manchmal tue ich mir so schwer über meine Gefühle zu sprechen und mich zu öffnen. Du kennst das bestimmt auch. Ich habe Angst, dass mich Jemand auslacht, aber v.a. habe ich Angst, dass du mich weg stoßen könntest. Dabei ist das beides natürlich ein Blödsinn. Wie oft haben wir beide doch schon jemanden unwissentlich verletzt und wie oft sind wir beide auch schon abgewiesen worden, waren am Boden zerstört und sind wieder aufgestanden?! Aber leider muss ich auch sagen: Wie selten sind doch diese perfekten Momente, in denen wir uns so gut zu kennen glauben. In denen wir etwas Echtes erleben. Und solche Momente geschehen eben nur, wenn ich mich öffne, nur wenn wir ehrlich zueinander sind und dabei sehr verletzlich. Ich denke da besonders an eine Situation, vielleicht habe ich dir schon davon erzählt, aber falls nicht: Ich bin sicher du hast schon einmal etwas ähnliches erlebt und ich hoffe, du denkst daran, wenn du dich schlecht fühlst. Ich denke immer daran, wenn ich mal wieder das Gefühl habe, alle anderen sind so viel besser als ich.
Da war diese junge Frau in meinem Kurs an der Uni und sie war so gefasst und kompetent. So ernsthaft und von Kopf bis Fuß gutaussehender Fleiß, ganz auf Erfolg eingestellt. Und kurz vor den Prüfungen unterhielten wir uns – das einzige Mal – und ich sagte leichthin (aber eben auch ganz offen): „Ja, gestern hatte ich einen kleinen Nervenzusammenbruch, weil ich dachte, ich schaffe das Alles nicht mehr.“ Und wie ich das aussprach, sackte sie so ein bisschen in sich zusammen. Löste sich etwas in ihr. Und sie sah mich – das erste und einzige Mal – ganz erleichtert an. Erleichtert und ganz offen und verletzlich und sagte: „Ich dachte, das geht nur mir so. Ich bin so froh, dass du es aussprichst.“ Ich habe das ja nur gesagt, weil ich mich doch sowieso schon bei den Schwachen gesehen hatte, aber sie zeigte mir, dass auch unter der perfekten Oberfläche die Zweifel wohnen. Das war ein wunderschöner Moment. Es gab mir so viel Mut, zu wissen, dass auch „die Anderen“, die Schönen, Klugen und Besseren straucheln und sich selbst quälen mit Zweifeln.
Aber dass ich das überhaupt sehen kann, verdanke ich dir. Du bist ein großes Vorbild für mich. Im stark sein und im schwach sein. Was du im Täglichen leistest, schaffen manche (mich eingeschlossen) nicht in Ausnahmesituationen. Aber dennoch weiß ich, dass du eben auch deine schwachen Momente hast und um Hilfe bitten kannst. Und nur falls es dir dabei manchmal so geht wie mir: Das nimmt einem keine Ehre und das nimmt einem keine Kompetenz. Was du nicht kannst, hat keine Auswirkungen auf das, was du kannst.
Ich habe es schon geschrieben und ich schreibe es nochmal: Ich vermisse dich. Manchmal sehe ich jemanden vor mir laufen und für einen herrlichen Moment belüge ich mich und denke, du bist es. Aber dann sage ich mir: So eine Hose würdest du nicht tragen. Aber mein Herz hüpft trotzdem ein bisschen. Die Kilometer, die zwischen dir und mir liegen, die kennt mein Herz ja nicht.
Bis bald mal wieder,
deine J