LandFrust: Was ich mit 21 gelernt habe

Ist es nicht einfach wunderschön, dass ich erst mit 21 so richtig begriff, dass manche Dinge nicht unabänderlich sind?
Bis dahin hatte ich einfach unhinterfragt angenommen, dass die Vanillekipferln meiner Oma A. die allerallerallerbesten auf der Welt sind, von unabänderlich gleichbleibender herausragender Qualität. Für alle die nicht wissen, was Vanillekipferl sind: ein weihnachtliches Gebäck, klein und in Hörnchenform und dick mit Puderzucker bestreut bzw. in Puderzucker gewendet. Jedenfalls macht meine Oma sie so. Unter dem Puderzucker ist ein eher sandig trockener Teig, der aber im Idealfall – also im Fall der Vanillekipferl meiner Oma A. – in Verbindung mit der dicken Schicht vanilligem Puderzucker beinahe im Mund schmilzt so mürbe ist er.
Es gibt, kurz gesagt, einfach nichts Besseres als die Vanillekipferl meiner Oma A.
Und ich hatte angenommen, dass das eine unabänderliche Tatsache auf dieser Welt sei. Ebenso sicher wie, dass jedes Jahr Weihnachten wieder kommt. (Und ja: ich weiß, dass es noch ein wenig hin ist mit Weihnachten… wir haben noch nicht mal Pfingsten… ist schon gut.) Und so sicher, wie dass jedes Mal, wenn Weihnachten da ist, in unserer Kirchengemeinde die Kinderkirch-Kinder ein Weihnachtsspiel aufführen, in dem „die Kinder aus Bethlehem“ eine tragende und zugleich vollkommen unerhebliche Rolle spielen – nur damit alle Kinder etwas sagen können und keine Schafe spielen müssen. Und ebenso unabänderlich, wie die Tradition schon mal Jacken und Gesangbücher eine Stunde vor Beginn des Gottesdienstes, in dem die Kinder der Kinderkirche etwas vorspielen, auf den Stühlen des Kirchenraumes zu verteilen, damit auch ja die gesamte Großfamilie dort Platz findet. Genauso verlässlich lagen jedes Jahr in meiner Plätzchendose die „Gutsle“ meiner Oma A. und extra viele Vanillekipferl, weil das eben unabänderlicherweise die allerbesten waren.
Doch dann wurde ich 21. Lernte meinen jetzigen Mann kennen und ich nehme an, dass ich schon fast 22 Jahre alt war ehe ich so richtig begriff, dass eben doch manches nicht unabänderlich ist – Weihnachten kam wieder, das Krippenspiel auch und auch die Jacken und Gesangbücher wurden zuverlässig eine Stunde vor Gottesdienstbeginn großflächig verteilt wie Handtücher an vollen Stränden – doch die Vanillekipferl… die Vanillekipferl!!!
Ich hatte meinem neuen Freund die weltbesten Vanillekipferl versprochen, die im Mund schmelzen undsoweiter, doch was bekamen wir: Ranzige Plätzchen. Eine ganze Dose voll. Ich schreibe das nicht, um mich bei meiner Oma zu beschweren. Es passiert. Man backt, man vergisst, dass das Backblech noch nicht abgespült ist. Mir ist das erst vor Kurzem (vor zwei oder drei Jahren um genau zu sein) auch passiert – nur halt blöderweise nicht als ich für meine Familie gebacken habe, die das schmunzelnd einfach hinnehmen muss, dass die Mama nicht perfekt ist, sondern als ich für Fremde gebacken habe. Womit mein Ruf als schlechte Bäckerin jetzt zementiert wäre und ich wahrscheinlich niemals wieder gefragt werde, etwas zu backen. Hat auch was für sich. Aber zurück zu den Vanillekipferln.
Mich hat nicht schockiert, dass meine Oma mal etwas backt, dass nicht gut wird. Das passiert. Es war ein bisschen peinlich für mich, weil ich ja erst kurz zuvor meinem neuen Freund eine DVD geschenkt hatte, die sich als Fälschung entpuppt hatte (lange Geschichte… vielleicht ein andermal), weil wir uns ja doch noch nicht so lange kannten, kaum uns gegenseitig unsere Familien vorgestellt hatten und jetzt, da ich mir doch so sicher war, dass Vanillekipferl zu den unabänderlichen Dingen dieser Welt gehören… und das war eben das, was mich so schockierte.
Ja es war hart und schockierend für mich herauszufinden, dass ich in einer wohlbehüteten Illusion lebe – lebe, nicht gelebt habe – denn wer sagt mir, dass mich als nächstes nicht andere Dinge im Stich lassen??
Es ist wohl ein großes Glück, dass ich erst Anfang 20 anfangen musste zu erkennen, dass es Dinge gibt, die nicht unabänderlich sind. Aber es hatte auch ganz alltagspraktisch sein Gutes: Mein jetziger Mann konnte sich an keinem Tag unserer Beziehung in der Illusion wiegen, dass ich in irgendeiner Weise ein kleines perfektes Geschöpf voll gehaltener Versprechungen bin. Eher das Gegenteil. Unperfekt mit großer Persönlichkeit, großer Familie und in dieser mehr Liebe als man irgendwem versprechen sollte.
In den nächsten Jahren waren sie wieder super. Die Vanillekipferl. Und ich genieße sie mehr denn je – wenn ich noch welche abbekomme…

 

Was ich am Elternsein super finde, Teil 2

Heute erzähle ich euch die Geschichte, wie wir den „Oh, Mann!“-Schalter gefunden haben. Aber zuerst eine kleine Einleitung:
Immer noch (und immer noch mit mäßigem Erfolg, den ich aber immer noch konsequent ignoriere) bemühe ich mich um eine positive Grundhaltung dieses Jahr! Und ganz in diesem Sinne geht es heute weiter mit „Was ich am Elternsein super finde.. und was nicht so“! (Hier geht’s zu Teil 1) Denn einerseits ist das Leben mit Kindern anstrengend und andererseits das Leben ohne Kinder sicher auch ganz schön, doch interessanterseits ist das Leben mit Kindern um einiges spannender – im Guten wie im Schlechten und vor allen ganz mittendrin in der Mitte zwischen Gut und Schlecht. Oder auch ganz mittendrin im Schienenersatzverkehr. In dem saßen wir nämlich an einem ansonsten recht netten Wochenende. Wir haben einen kleinen Ausflug gemacht und sind wegen irgendwelcher weltpolitischer Ereignisse, die unverschämterweise nicht auf unseren Familienterminplan Rücksicht genommen haben, mit dem Zug gefahren und waren sehr zufrieden mit dieser Entscheidung. Zumindest bis wir auf dem Rückweg plötzlich stehen blieben. Also nicht wie sonst „stehen bleiben“, weil die Große einen Schneematschhaufen entdeckt hat und erkunden muss oder der Kleine entdeckt hat, dass er JETZT Hunger hat oder die Mama ein Notizbuch entdeckt hat oder sonst was. Nein. Der Zug ist stehen geblieben. Ich war in Gedanken (wo auch sonst?) und habe natürlich nicht mal die Durchsage mitbekommen, aber plötzlich standen alle auf, packten ihre Sachen zusammen und stiegen aus. Keine Anzeige am Bahnhof. Keine weitere Durchsage. Nur eine Menge frierender Leute auf einem leeren Bahnhof. Und wir mitten drin mit einem Kinderwagen und zwei Kindern und noch keinem richtigen Mittagessen im Bauch. Uns wehte ein kalter Wind Schneeflocken ins Gesicht und der Aufenthaltsraum, den wir nach einer Weile fanden, war zwar nicht einladend aber dafür überfüllt. Niemand wusste, ob und wann Ersatzbusse kommen würden. Die ersten (ohne Kinder) nahmen sich Taxis. Kurz gesagt: in diesem Moment wollte ich einfach nur nicht in diesem Moment sein.
Tatsächlich muss ich sagen (trotz, dass ich das Ganze mehr als ätzend fand), dass die Bahn sich mal wieder erstaunlich kompetent gezeigt hat. Die Strecke musste wegen einem Unfall gesperrt werden und so unvorhergesehen das auch war, kamen doch tatsächlich einige Busse und fuhren alle gestrandeten Passagiere zum nächsten Bahnhof. Ich war zwar überzeugt, dass wir dort lediglich vor weiteren ausgefallenen Zügen stehen würden, aber nein. Trotz, dass die Anzeige munter alle weiteren Züge auf der Strecke ausfallen ließ, fuhren die Züge und wir kamen lediglich zwei Stunden später als geplant an. Was bedeutete: wir konnten noch vernünftig zu Abend essen, aber leider keine neuen Notizbücher mehr kaufen. (Oh, Mann! Ohmanomanoman… was für eine Tragödie!) Und ich konnte meine Fähigkeit im Stehen zu Stillen unter Beweis stellen, hat auch was für sich.
Aber was hat das nun mit dem Elternsein an sich zu tun? Recht viel. Bevor wir Kinder hatten, saßen wir schon mal in einem ähnlich nervigen Schienenersatzverkehr. Statt abends wieder daheim zu sein, waren wir abends für ein paar Stunden in einem Reisebus und dann nachts zuhause. Im dunklen warmen Bus haben wir uns nett unterhalten und… ja… das war’s eigentlich. Es war nervig, aber auch letztlich eine schöne Gelegenheit Zeit zu zweit zu verbringen ohne irgendetwas tun zu müssen (oder zu können).
Mit zwei Kindern sieht das anders aus – allein der Gedanke mit kleinen Kindern erst spät nachts heim zu kommen, macht mich als Mutter nervös. Statt dankbar in einen Reisebus zu steigen, stand ich gestresst am Straßenrand und wurde vom Reisebus weg Richtung Linienbus gescheucht, weil dort unser Kinderwagen besser reinpasste. – Unser Kinderwagen und noch zwei weitere. Koffer und Kinderwagen bildeten am Ende einen festen Keil im Bus. Statt, nachdem unser Gepäck verstaut war, neben meinem Mann zu sitzen und mich mit ihm zu unterhalten, saß ich fest eingeklemmt zwischen meiner Tasche unter einem Baby und neben einer nervös auf selbiges Baby schielenden Dame. Wir fuhren durch eine wie mir schien vollkommen weiße Landschaft und der Bus schaukelte bei jeder sich bietenden Gelegenheit so heftig, als ob es nicht nur optisch sondern auch tatsächlich keinen Unterschied zwischen Himmel und Erde geben würde. Es war definitiv nicht der richtige Zeitpunkt um festzustellen, dass ich seit meiner letzten Überlandfahrt mit einem Bus nicht seefester geworden war. Ich wollte diese Feststellung natürlich gleich an mein Mitelternteil weitergeben, doch als ich nach hinten sah, lächelte er nur aufmunternd. Kuku war nicht mehr zu sehen, sie lag wohl zusammengerollt irgendwo auf seinem Schoß oder unserer Tasche und schlief. Ich beschloss, aus Rücksicht auf meine Nebensitzerin doch nicht zu erwähnen, dass mir speiübel war vom Geschaukel. Das Baby beschloss zu schlafen.
Und dann tat ich das, was ich immer tue, wenn ich das Gefühl habe in einer schaukelnden weißen Leere zu hängen. Ich halte mich fest. Also metaphorisch. Ich konnte mich ja sowieso nicht bewegen und hoffte nur nicht auch noch Windeln wechseln zu müssen, wie die Mutter zwei Sitzreihen vor mir (später halfen wir ihr noch mit ein paar Windeln von uns aus – man muss zusammenhalten). Aber ich hielt mich an meinen eigenen Ratschlag, den ich gerne und ungefragt verteile: ich ließ mich nicht zum Opfer der Situation machen. Mir war schlecht vom Geschaukel – warum wird mir nicht schlecht, wenn ich selbst Auto fahre? Weil ich dann sehe, wie das Gefährt gleich schaukeln wird, also konzentrierte ich mich auf die Strecke, das Weiß war plötzlich durchzogen von grauen Straßen, grazilen Baumgeflechten, den geometrischen Formen von Häusern, den festen Strukturen einer Kulturlandschaft. Ich ließ mich nicht mehr gedanklich wegtragen in die weiße Leere, die doch eigentlich nur meine eigene Sehnsucht war, nicht hier sein zu müssen, nicht mit dieser Situation umgehen zu müssen. Und dann wusste ich es wieder, was ich als Mutter verpflichtet bin zu wissen: es ist alles gut. Und das Baby in meinem Arm schnarcht leise und sagt es mir nochmal deutlicher: es ist alles gut und wenn nicht, dann macht es die Mama zumindest ein bisschen besser. Denn dafür ist man die Mama.
Die Schneeleere lag also hinter uns, wir saßen auch schon nicht mehr im Zug, der uns Hhim brachte, sondern standen schon an der Zugtür um auszusteigen, unser Auto zu holen und heimzufahren, als wir ihn entdeckten: den Oh-Mann-Schalter!!

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omanomanoman… Es hatte ihn mal wieder jemand umgelegt, aber ich finde es ziemlich super, dass ich als Mama auch weiß, wo ich ihn dann im Notfall finde…

Was ich am Elternsein super finde, Teil 1

Unser neuer Chefredakteur hat es ja schon indirekt angekündigt: Die neue LandFrust widmet sich dem Thema „Was ich am Elternsein hasse“. Nur dass „hassen“ leider meinem positiven Grundgefühl entgegensteht, das ich nun mal auf Biegen und Brechen dieses Jahr durchsetzen möchte. Daher spreche ich lieber davon, was ich am Elternsein super finde… und was nicht so.

Und auf Platz Nummer 1 der Dinge, die einfach super sind mit Kindern, steht unangefochten: Pausen! Zuvorderst natürlich die Mama-Pausen, in denen ich für mich selbst sein kann und in Ruhe nachdenken. Das können zwei kostbare halbe Stunden alleine in der Stadt sein oder am Schreibtisch während beide Kinder schlafen oder auch während der Nacht mit dem Baby an der Brust – wenn es deutlich nach 0 Uhr ist und das Baby nur dieses eine Mal etwas trinken möchte, ist das eine durchaus schöne, stille Zeit für mich, in der ich z.B. über Gespenster nachdenken kann.

Aber – und da werden mir jetzt einige Mütter empört widersprechen, nämlich die sehr viel engagierteren Mütter als ich es bin oder die sich zumindest dafür halten dürfen – es gibt noch so viel mehr Pausen im Kinderalltag. Alles geht langsamer und alles geht nur im immer gleichen Alltagsrhythmus vonstatten, der in schöner Gleichförmigkeit von kleinen Snacks und gemeinsamen Essen strukturiert wird. Ich schaffe es zwar noch nicht immer, aber ich bemühe mich bei unseren kleinen Snackpausen (eine zwischen Frühstück und Mittagessen und eine zwischen Mittag- und Abendessen) auch immer etwas zu essen, mich dazuzusetzen und Pause zu machen. Sich mit einem Baby und einer Dreieinhalbjährigen zu unterhalten, kann wirklich sehr entspannend sein. Und dazu kommt dann noch die restliche Langsamkeit. Ich habe eine gefühlt lange, aber dennoch viel zu gehetzte Dissertation-Fertig-Schreib-Phase gebraucht, um es zu kapieren, aber für den Kindergartenheimweg eine Dreiviertelstunde zu brauchen – anstatt wie sonst 5 bis 10 Minuten – ist auch eine gute Gelegenheit Pause zu machen, über die Farbe des Himmels nachzudenken oder neue Spiele zu erfinden. Schon mal mit dem Traktor heimgefahren? Ich hab zufällig immer einen in der Tasche und man gewöhnt sich überraschend schnell an die irritierten Blicke, wenn man laut tuckernd den Gehweg entlang schleicht. Wir wechseln dann auch gelegentlich das Fahrzeug: Auto! Motorrad! Fahrrad! Und für die Treppe zuhause die Seilbahn! Diese bleibt aber dann auch gerne mitten auf der Treppe stehen, wegen technischer Probleme und muss er von einer sachkundigen Kuku repariert werden, bevor wir dann genau pünktlich zum Nachmittagssnack in der Wohnung ankommen.

Ach, die wohlverdienten Pausen! Auch viel zu unterschätzt von mir: die Pause morgens, wenn ich schon angezogen bin, Grugru gewickelt und nur Kuku sich weigert etwas anzuziehen. Da glänzt hinterher Küche und Bad und der nächste Fashionblog entwirft sich von selbst in meinem Kopf… Aber da wären wir auch schon bei einer Sache, die ich nicht so super finde. Vergleichen! Denn es bleibt mir ja nicht verborgen, dass sich andere Kinder im selben Alter schon alleine anziehen und das regelmäßig! Oder dass andere Mütter lange Ausflüge mit ihren Kindern machen (mit Fahr- oder Laufrad!). Oder dass andere Eltern regelmäßig MamaUNDPapa-Pausen einlegen, mit Babysitter und allem! Oder…okay… beim Essen brauche ich keinen Vergleich zu scheuen… wobei… andere Babys bekommen als ersten Brei mittags einen Fleisch-Gemüse-Kartoffelbrei und nicht einen „ach Banane lässt sich leicht zermatschen“-Abendbrei. Oh, das Vergleichen! Man sagt es sei der Dieb der Freude und so ist es auch. Ich bilde mir ein nicht neidisch veranlagt zu sein, aber ich schiele dennoch nach rechts und links, weil mich Zweifel plagen, ob es meinen Kindern wirklich gut geht bei mir. Ob man es nicht doch besser machen könnte.

Und man kann.

Aber: Ich mache schon ein paar Sachen ganz gut – wenn einen irgendetwas daran erinnern kann, dass wir als Menschen fehlbare Wesen sind, die immer an der Perfektion scheitern müssen, dann sind es Kinder. Und das ist super!

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[So sieht es aus, wenn Kuku beschließt, dass wir jetzt gemeinsam Pause machen.]

Wärmflaschen und Bettdecken

Heute ist mein Herz schwer, aber ich hatte mir vorgenommen positiv zu bleiben, also mache ich das, was die Gleichung schweres Herz plus Liebe ist gleich x auflöst.

Einen Liebesbrief schreiben.

Ich habe nämlich das Gefühl, ich schreibe zu selten über meine Eltern. Da kann man jetzt seufzend denken: jetzt da sie Kinder hat, merkt sie erst, was für Opfer ihre Eltern für sie gebracht haben. Was sie mir Alles mit auf den Weg gegeben haben. Was ich ihnen schuldig bin. Aber ehrlich gesagt, weiß ich das schon länger – man glaubt es kaum, aber auch Heranwachsende sind oft recht reflektierte Menschen und wissen, was Eltern (auch die eigenen) so Alles für ihre Kinder tun. Ich wusste nur nie, wie ich mich dafür richtig bedanken kann. Ich weiß es auch heute noch nicht. Aber, was ich heute weiß, seit ich selbst Kinder habe, ist, dass ich meinen Eltern auch wahnsinnig viel gegeben habe. Das war mir früher nicht klar. Welche Freude so ein kleiner Mensch mit sich bringt. Das sind vollkommen egoistische Freuden auf meiner Seite, die aus kleinen, alltäglichen Handlungen etwas Besonderes machen. Und zwar für mich. Ganz allein. Kleine Erinnerungen, die ich jetzt erst so richtig genießen kann und mich an all das erinnern, was mir von meinen Eltern gegeben wurde und was mir jetzt Kraft gibt.
Klar, kann man auch sagen: Das, was ich meinen Eltern gerne zurückgeben würde, gebe ich nun meinen Kindern. Aber da ich nicht wissen kann, was ganz genau die kleinen und großen Dinge sein werden in meinem Handeln, die ihnen später mal Halt und Kraft geben, sind es jetzt einfach meine persönlichen Freuden. Denn ich mag mich zu diesem Zeitpunkt nicht mit der Überlegung belasten, was genau letztendlich positiv oder negativ bei ihnen hängen bleibt von mir – ich will mich einfach an dem erfreuen, was ich geben kann, von dem ich weiß, dass es mich als Kind erfreut hat und jetzt stark macht.
Tief eingeschneit, wie wir derzeit sind, begleiten mich zwei Erinnerungen aus meiner Kindheit.
Mein Papa hat mich als Kind – ich muss in der Grundschule gewesen sein, vielleicht war ich aber sogar noch kleiner – immer auf eine ganz bestimmte Art und Weise zugedeckt und ich habe mich (auch als ich mich selbst schon zu alt gefühlt habe, um von meinem Papa zugedeckt zu werden) selber immer so zugedeckt, dass es sich so ähnlich angefühlt hat. Daran muss ich nun immer denken, wenn ich sehe wie mein Kind von seinem Papa zugedeckt wird.
Und die andere Erinnerung ist etwas jünger – nicht viel – aber beschämend jünger: Ich habe bis in meine Studienzeit Probleme gehabt, mir eine Wärmflasche zu machen. Das ist wahrscheinlich eine der dümmsten Schwächen, die man so haben kann. Aber es war tatsächlich so. Und ich wusste nicht mal warum, bis ich Mutter wurde und in die regelmäßige Verlegenheit kam, Wärmflaschen zu machen. Es war das Zudrehen. Ich habe immer geglaubt, dass nur meine Mama eine Wärmflasche sicher zudrehen kann. Und ja: auch diese Erinnerung an mein eigenes leicht dämliche Unvermögen (oder war es vielleicht nur Aberglaube?) gibt mir heute Kraft. Denn es erinnert mich daran, dass es nicht schlimm ist, von anderen Menschen abhängig zu sein, dass, liebevolle Fürsorge zu empfangen, genauso ein Teil des Lebens ist, wie sie zu geben. Dass man sie nur geben kann, wenn man sie empfangen hat.
Ich würde sogar so weit gehen zu sagen, dass man erst dann richtig zu sich selbst fürsorglich sein kann, wenn man es für andere auch ist. – Anders gesagt: ich wickle mich selbst in die Bettdecke und stecke mir eine Wärmflasche unter die Füße. Genauso wie ich es mit meinen Kindern mache.

Fashionblog: Babystyle

Ein Frohes Neues Jahr allerseits!

Das Neue Jahr hat anstrengend für mich begonnen. Alle krank bla bla bla… das Übliche. Aber da ich glücklicherweise und interessanterseits meine eigene fiktive Zeitschrift herausbringe, habe ich es in jedem Fall selbst in der Hand für Blogersatz zu sorgen, wenn mir mal die Kraft fehlt einen Fashionblog zu schreiben. Und heute hat sich Grugru bereit erklärt – das ist unser neuer Chefredakteur bei der LandFrust. Heute also ein paar wichtige Regeln „Babystyle“. Grugru, ich übergebe an dich.

Dankeschön, Mama – ich meine – Frau Kollegin (und vergessen Sie nicht den neuen Artikel für die LandFrust: „10 Dinge, die ich am Kinderhaben hasse…“ ich hab ihn bis nächste Woche auf dem Wickeltisch… ähm Schreibtisch). Ich habe heute meine wichtige Arbeit an der LandFrust beiseite gelegt, um Ihnen, geneigte Leserschaft, ein paar einfache Regeln für den richtigen Babystyle mitzugeben. Auf dass auch Sie gut gerüstet ins Neue Jahr starten und Bescheid wissen!
Fangen wir mit dem wichtigsten an: Dem Baby. Haben Sie das Baby in Sichtweite? – Wenn nein, warum nicht? Ändern Sie das!
Und wenn Sie schon dabei sind: denken Sie an die Babyrechte! Wie kann der richtige Babystyle in diesem Jahr gelingen, wenn Sie nicht an die basalen Babyrechte denken?! Sie kennen die Babyrechte nicht? Unerhört! Dann passen Sie auf:
Das Baby hat das alleroberste Recht immer nackig zu sein! IMMER NACKIG, aber immer warm! Ganz wichtig! IMMER WARM! Und trocken!
Das Baby hat außerdem das Recht immer an der Brust von der Mama zu liegen. Das Baby darf an der Brust von der Mama einschlafen und trotzdem weiter nuckeln (ersatzweise für meine Kollegen Flaschenbabys am Finger von der Mama oder dem Schnuller – in Ausnahmefällen). Das Baby ist auch mit 8 Kilo und mehr noch klein und süß und leicht zu tragen. Die Mama merkt das gar nicht, dass das Baby noch da ist und nuckelt. Die Mama hat sich da überhaupt rauszuhalten und die Babyrechte nachzulesen.
Nachdem das also geklärt ist, jetzt ein paar einfache Regeln für Ihren richtigen Babystyle:
Regel Nummer 1: Was man in die Hand nehmen kann, das kann man auch in den Mund stecken.
Regel Nummer 2: Egal was dem Baby gerade fehlt, es ist das aller aller allerschlimmste, was einem Baby überhaupt fehlen kann. Das Baby ist das allerärmste Baby auf der ganzen Welt.
Regel Nummer 3: Ein Irrwicht verwandelt sich immer in das, vor dem wir am meisten Angst haben (nachzulesen im Sachbuch: Harry Potter und der Gefangene von Askaban (Rowling)), demgegenüber verwandelt sich das allerärmste Baby auf der ganzen Welt, wenn man in den Wagen reinschaut, in das allersüßestes Baby, das man je gesehen hat. Dann tritt das alleroberste Babyrecht in Kraft, dicht gefolgt von dem anderen Babyrecht.

Halten Sie sich an diese einfachen Regeln und sie können mit viel Babystyle durch dieses Jahr gehen! Ich wünsche Ihnen ein stilvolles 2018 und verbleibe herzlichst:

Grugru, Chefredakteur und allerbestes Baby auf der ganzen Welt535317368

[Dies ist nicht Grugru. Aber dieses dicke Baby hat sein Einverständnis gegeben, dass sein Bild verwendet werden darf, indem es einen Blog im Internet schreibt und selbiges Bild dort hochgeladen hat.]

Fashionblog: Ich mache Sport

Ich mache Sport. Zumindest ein bisschen.
Ich trage zwei kleine Kinder zwischen 7 und 17 Kilo durch die Gegend. Ich trage Einkaufstaschen. Ich staubsauge, wische und räume auf. Aber ich mache auch manchmal etwas, das ich in meinem Notizbuch vermerke als „Workout“, obwohl es eigentlich nicht anstrengender ist als der Rest meiner Arbeit („work“) und obwohl ich es niemals draußen („out“) machen würde. Wenn ich mich zwischen entweder „sportlich“ oder „unsportlich“ entscheiden müsste, würde ich sagen, dass ich wohl eher unsportlich bin, aber nicht so aussehe. Oder sportlich bin, aber keinerlei Sport betreibe. Mir fehlt der Ehrgeiz. Es gibt kein sportliches Ziel, das mich motivieren würde, irgendetwas zu tun, um es zu erreichen. Aber ich bewege mich nicht ungern. Ich gehe viel zu Fuß und nehme – wenn möglich – die Treppe. Es geht einem einfach besser, wenn man sich regelmäßig bewegt und nach der zweiten Schwangerschaft steht natürlich auch das Thema „Rückbildung“ an – auch etwas, das mehr ist als nur „seine Figur wiederbekommen“. Ich habe meine Figur nicht mehr wiederbekommen und ich werde sie nicht wieder bekommen und ich möchte sie auch gar nicht wiederbekommen. Ich finde seit meiner ersten Schwangerschaft habe ich eine bessere Figur und jetzt nach der zweiten ein besseres Körpergefühl denn je. Aber was ich gerne bekommen würde ist Stärke. Mein Alltag ist – auch wenn es vielleicht nicht immer so aussieht – anstrengend. Ich möchte stark sein und mich gut fühlen. Und damit wäre ich dann doch wieder beim Sport gelandet, den ich nicht machen möchte. Aber ich sehe ein, dass sich Rücken, Arme, Beine, Bauch, usw. beim alltäglichen Kinderschleppen nur sehr einseitig trainieren und dabei auch noch verkrampfen. Also doch Sport. Oder „Workout“. Aber wenn schon, dann zu meinen Bedingungen. So stur bin ich dann schon.
Da mein Sportprogramm in der Schwangerschaft daraus bestand eine Doktorarbeit fertig zu schreiben, dieselbe zu verteidigen und den Rest der Zeit der glühenden Sommerhitze zu trotzen, wollte ich wenigstens in die Zeit danach überlegt und sportlich vorbereitet starten und dachte meine Optionen durch. Immer gut ist Schwimmen – aber ohne Auto mit einem Säugling im Gepäck eher schlecht durchzuführen und der passende Rückbildungskurs war schon voll. Mir wurde auch schnell klar, dass ich eigentlich überhaupt keine Lust hatte zu riskieren, dass mein neues Baby irgendeinen Fitnesskurs durch anhaltendes Gequäke stören könnte – bzw. keine Lust zu riskieren dort Menschen treffen zu müssen. Nichts gegen Menschen. Aber durch das Ganze sich einigeln zum Arbeiten und niemanden mehr treffen, den man mag, habe ich jetzt mehr das Bedürfnis Menschen zu treffen, die ich schon kenne und zu wenig sehe, als neue Menschen kennenzulernen.
Ich kam also nicht wirklich voran in meiner Sport-Planung. Erschwerend kam hinzu, dass mir sehr wohl bewusst ist, dass so ein Kurs einmal die Woche einfach nicht nachhaltig ist. Es ist Winter, die Kinder werden krank, ich kann mich nicht motivieren, zuhause die Übungen zu wiederholen, was ich aber müsste, um wirklich fit zu werden… usw. Aber die Lösung war die ganze Zeit vor meiner Nase.
Im Internet!!
Wo trainiert man ohne jemanden zu sehen?
Zuhause!
Wie trainiert man?
Alleine!
Wann? So oft wie möglich, wenn das Kind gerade mit macht und man selbst fit ist.
Aber das Wichtigste:
Wie lange?
Immer nur 15 Minuten!
Das bekommt man gut unter!
Aber woher nimmt man die Anleitungen?
Von einer DVD!
Und jetzt kommt das Beste:
Es gibt eine DVD, die einem 15 minütige Workouts MIT BABY zeigt! D.h. man kann sich vor seinen eigenen Laptop stellen und sich fast gar nicht doof dabei vorkommen einer sehr sehr sseeeehr durchtrainierten blonden Frau nachzuturnen zu „flotter“ Musik.
Spitze.
Und sie hat Babys dabei. Sie spricht also nicht nur zu „dir“ (natürlich wird man geduzt bei sowas) sondern auch immer mal wieder zu den Babys. („Ja, die Bewegung kennst du schon.“ oder „Kuckuck, da bin ich!“)
Klasse.
Und ich meine das jetzt durchaus ironisch und absolut unironisch zu gleichen Teilen. Ich nenne absichtlich nicht den genauen Titel des Programms (es ist leicht zu finden, falls jemand Interesse hat). Aber es ist genau das, was ich gesucht habe – es sind kurze Trainingseinheiten (15 Min!) unterteilt in „acht Wochen“, wobei man jede Woche eine Einheit zwei bis dreimal machen soll. Und alle Übungen sind mit Baby. Also keine Ausrede, dass das Kleine gerade weint!
Die Realität des Ganzen sieht natürlich so aus, dass ich jetzt bei Woche vier bin, aber bestimmt schon seit acht Wochen mit der blonden Frau zu flotter Musik mitturne – aber das stört mich kein Stück. Im Gegenteil! So habe ich länger was davon! Und die Babyrealität sieht so aus, dass manche Übungen einfach über oder neben dem auf der Matte liegenden Baby gemacht werden – das findet mein Baby manchmal lustig, manchmal nicht. Andere Übungen sind eigentlich nur wegen dem Baby „Übungen“, aber auch diese findet mein Baby nicht immer lustig oder aber es schläft gerade und dann mache ich auch diese ohne Baby. Man kann sich jetzt überlegen, was alberner aussieht: Das Baby für eine Armübung „fliegen“ zu lassen oder kein Baby mal links mal rechts diagonal in die Höhe zu halten.
Auch sehr hübsch: In einer „Trainingswoche“ fragt die blonde Dame, die übrigens auch einen Doktortitel hat, „Einmal geht noch, oder?“ (oder sowas in der Art) Und zu meinem Entsetzen kommt dann eine Antwort („Ja!“) – beim ersten Mal dachte ich, ich hab mir das vorgestellt, weil ich so konzentriert war auf mein Workout (lacht nicht, nach 10 Minuten Gehampel zu Dudelmusik bin ich total drin und auch schon ein bisschen erschöpft), beim zweiten Mal (dreimal die Woche sollte man ja….) dachte ich, mein Baby hat vielleicht gekiekst, aber beim dritten Mal war ich mir sicher – da spricht jemand vollkommen kontextlos aus dem Off im Video. Das ist gruselig!! Die Woche habe ich dann nicht streberhaft noch ein viertes Mal durchgeturnt…
Aber richtig lustig ist es eigentlich erst jetzt in der „vierten Woche“ also Halbzeit auf der DVD und für mich die Sicherheit noch mindestens zwei Monate was von dem Ganzen zu haben. Da fängt die Dame nämlich an, davon zu reden, dass „du“ ja jetzt schon „fortgeschritten“ wärst.
Das ist lustig.
Noch lustiger ist die Übung in der man sein Kind (Man sitzt auf der Matte und hält das Kind vor sich unter den dicken Babyarmen) „von links nach rechts hüpfen“ lässt. Dazu sagt sie: „Umso länger deine Arme, umso mehr spürst du das Gewicht deines Kindes.“ Das kann jetzt ein dezenter Hinweis sein, wie die Streberinnen das Training intensivieren können. Bei mir hört da jedoch das Strebertum definitiv auf und ich muss jedes Mal laut lachen – nicht gut für den Beckenboden wahrscheinlich – darüber wie ich da so sitze, in meinem Sportanzug, auf einer Yogamatte, vor dem Laptop und mein Baby ganz ganz gaaaaanz eng an mich presse und versuche mal links mal rechts von mir mit den Füßchen die Matte berühren zu lassen.
Ich glaube die Babys in den Videos sind höchstens halb so schwer wie meines…