Wärmflaschen und Bettdecken

Heute ist mein Herz schwer, aber ich hatte mir vorgenommen positiv zu bleiben, also mache ich das, was die Gleichung schweres Herz plus Liebe ist gleich x auflöst.

Einen Liebesbrief schreiben.

Ich habe nämlich das Gefühl, ich schreibe zu selten über meine Eltern. Da kann man jetzt seufzend denken: jetzt da sie Kinder hat, merkt sie erst, was für Opfer ihre Eltern für sie gebracht haben. Was sie mir Alles mit auf den Weg gegeben haben. Was ich ihnen schuldig bin. Aber ehrlich gesagt, weiß ich das schon länger – man glaubt es kaum, aber auch Heranwachsende sind oft recht reflektierte Menschen und wissen, was Eltern (auch die eigenen) so Alles für ihre Kinder tun. Ich wusste nur nie, wie ich mich dafür richtig bedanken kann. Ich weiß es auch heute noch nicht. Aber, was ich heute weiß, seit ich selbst Kinder habe, ist, dass ich meinen Eltern auch wahnsinnig viel gegeben habe. Das war mir früher nicht klar. Welche Freude so ein kleiner Mensch mit sich bringt. Das sind vollkommen egoistische Freuden auf meiner Seite, die aus kleinen, alltäglichen Handlungen etwas Besonderes machen. Und zwar für mich. Ganz allein. Kleine Erinnerungen, die ich jetzt erst so richtig genießen kann und mich an all das erinnern, was mir von meinen Eltern gegeben wurde und was mir jetzt Kraft gibt.
Klar, kann man auch sagen: Das, was ich meinen Eltern gerne zurückgeben würde, gebe ich nun meinen Kindern. Aber da ich nicht wissen kann, was ganz genau die kleinen und großen Dinge sein werden in meinem Handeln, die ihnen später mal Halt und Kraft geben, sind es jetzt einfach meine persönlichen Freuden. Denn ich mag mich zu diesem Zeitpunkt nicht mit der Überlegung belasten, was genau letztendlich positiv oder negativ bei ihnen hängen bleibt von mir – ich will mich einfach an dem erfreuen, was ich geben kann, von dem ich weiß, dass es mich als Kind erfreut hat und jetzt stark macht.
Tief eingeschneit, wie wir derzeit sind, begleiten mich zwei Erinnerungen aus meiner Kindheit.
Mein Papa hat mich als Kind – ich muss in der Grundschule gewesen sein, vielleicht war ich aber sogar noch kleiner – immer auf eine ganz bestimmte Art und Weise zugedeckt und ich habe mich (auch als ich mich selbst schon zu alt gefühlt habe, um von meinem Papa zugedeckt zu werden) selber immer so zugedeckt, dass es sich so ähnlich angefühlt hat. Daran muss ich nun immer denken, wenn ich sehe wie mein Kind von seinem Papa zugedeckt wird.
Und die andere Erinnerung ist etwas jünger – nicht viel – aber beschämend jünger: Ich habe bis in meine Studienzeit Probleme gehabt, mir eine Wärmflasche zu machen. Das ist wahrscheinlich eine der dümmsten Schwächen, die man so haben kann. Aber es war tatsächlich so. Und ich wusste nicht mal warum, bis ich Mutter wurde und in die regelmäßige Verlegenheit kam, Wärmflaschen zu machen. Es war das Zudrehen. Ich habe immer geglaubt, dass nur meine Mama eine Wärmflasche sicher zudrehen kann. Und ja: auch diese Erinnerung an mein eigenes leicht dämliche Unvermögen (oder war es vielleicht nur Aberglaube?) gibt mir heute Kraft. Denn es erinnert mich daran, dass es nicht schlimm ist, von anderen Menschen abhängig zu sein, dass, liebevolle Fürsorge zu empfangen, genauso ein Teil des Lebens ist, wie sie zu geben. Dass man sie nur geben kann, wenn man sie empfangen hat.
Ich würde sogar so weit gehen zu sagen, dass man erst dann richtig zu sich selbst fürsorglich sein kann, wenn man es für andere auch ist. – Anders gesagt: ich wickle mich selbst in die Bettdecke und stecke mir eine Wärmflasche unter die Füße. Genauso wie ich es mit meinen Kindern mache.

Fashionblog: Babystyle

Ein Frohes Neues Jahr allerseits!

Das Neue Jahr hat anstrengend für mich begonnen. Alle krank bla bla bla… das Übliche. Aber da ich glücklicherweise und interessanterseits meine eigene fiktive Zeitschrift herausbringe, habe ich es in jedem Fall selbst in der Hand für Blogersatz zu sorgen, wenn mir mal die Kraft fehlt einen Fashionblog zu schreiben. Und heute hat sich Grugru bereit erklärt – das ist unser neuer Chefredakteur bei der LandFrust. Heute also ein paar wichtige Regeln „Babystyle“. Grugru, ich übergebe an dich.

Dankeschön, Mama – ich meine – Frau Kollegin (und vergessen Sie nicht den neuen Artikel für die LandFrust: „10 Dinge, die ich am Kinderhaben hasse…“ ich hab ihn bis nächste Woche auf dem Wickeltisch… ähm Schreibtisch). Ich habe heute meine wichtige Arbeit an der LandFrust beiseite gelegt, um Ihnen, geneigte Leserschaft, ein paar einfache Regeln für den richtigen Babystyle mitzugeben. Auf dass auch Sie gut gerüstet ins Neue Jahr starten und Bescheid wissen!
Fangen wir mit dem wichtigsten an: Dem Baby. Haben Sie das Baby in Sichtweite? – Wenn nein, warum nicht? Ändern Sie das!
Und wenn Sie schon dabei sind: denken Sie an die Babyrechte! Wie kann der richtige Babystyle in diesem Jahr gelingen, wenn Sie nicht an die basalen Babyrechte denken?! Sie kennen die Babyrechte nicht? Unerhört! Dann passen Sie auf:
Das Baby hat das alleroberste Recht immer nackig zu sein! IMMER NACKIG, aber immer warm! Ganz wichtig! IMMER WARM! Und trocken!
Das Baby hat außerdem das Recht immer an der Brust von der Mama zu liegen. Das Baby darf an der Brust von der Mama einschlafen und trotzdem weiter nuckeln (ersatzweise für meine Kollegen Flaschenbabys am Finger von der Mama oder dem Schnuller – in Ausnahmefällen). Das Baby ist auch mit 8 Kilo und mehr noch klein und süß und leicht zu tragen. Die Mama merkt das gar nicht, dass das Baby noch da ist und nuckelt. Die Mama hat sich da überhaupt rauszuhalten und die Babyrechte nachzulesen.
Nachdem das also geklärt ist, jetzt ein paar einfache Regeln für Ihren richtigen Babystyle:
Regel Nummer 1: Was man in die Hand nehmen kann, das kann man auch in den Mund stecken.
Regel Nummer 2: Egal was dem Baby gerade fehlt, es ist das aller aller allerschlimmste, was einem Baby überhaupt fehlen kann. Das Baby ist das allerärmste Baby auf der ganzen Welt.
Regel Nummer 3: Ein Irrwicht verwandelt sich immer in das, vor dem wir am meisten Angst haben (nachzulesen im Sachbuch: Harry Potter und der Gefangene von Askaban (Rowling)), demgegenüber verwandelt sich das allerärmste Baby auf der ganzen Welt, wenn man in den Wagen reinschaut, in das allersüßestes Baby, das man je gesehen hat. Dann tritt das alleroberste Babyrecht in Kraft, dicht gefolgt von dem anderen Babyrecht.

Halten Sie sich an diese einfachen Regeln und sie können mit viel Babystyle durch dieses Jahr gehen! Ich wünsche Ihnen ein stilvolles 2018 und verbleibe herzlichst:

Grugru, Chefredakteur und allerbestes Baby auf der ganzen Welt535317368

[Dies ist nicht Grugru. Aber dieses dicke Baby hat sein Einverständnis gegeben, dass sein Bild verwendet werden darf, indem es einen Blog im Internet schreibt und selbiges Bild dort hochgeladen hat.]

Fashionblog: Ich mache Sport

Ich mache Sport. Zumindest ein bisschen.
Ich trage zwei kleine Kinder zwischen 7 und 17 Kilo durch die Gegend. Ich trage Einkaufstaschen. Ich staubsauge, wische und räume auf. Aber ich mache auch manchmal etwas, das ich in meinem Notizbuch vermerke als „Workout“, obwohl es eigentlich nicht anstrengender ist als der Rest meiner Arbeit („work“) und obwohl ich es niemals draußen („out“) machen würde. Wenn ich mich zwischen entweder „sportlich“ oder „unsportlich“ entscheiden müsste, würde ich sagen, dass ich wohl eher unsportlich bin, aber nicht so aussehe. Oder sportlich bin, aber keinerlei Sport betreibe. Mir fehlt der Ehrgeiz. Es gibt kein sportliches Ziel, das mich motivieren würde, irgendetwas zu tun, um es zu erreichen. Aber ich bewege mich nicht ungern. Ich gehe viel zu Fuß und nehme – wenn möglich – die Treppe. Es geht einem einfach besser, wenn man sich regelmäßig bewegt und nach der zweiten Schwangerschaft steht natürlich auch das Thema „Rückbildung“ an – auch etwas, das mehr ist als nur „seine Figur wiederbekommen“. Ich habe meine Figur nicht mehr wiederbekommen und ich werde sie nicht wieder bekommen und ich möchte sie auch gar nicht wiederbekommen. Ich finde seit meiner ersten Schwangerschaft habe ich eine bessere Figur und jetzt nach der zweiten ein besseres Körpergefühl denn je. Aber was ich gerne bekommen würde ist Stärke. Mein Alltag ist – auch wenn es vielleicht nicht immer so aussieht – anstrengend. Ich möchte stark sein und mich gut fühlen. Und damit wäre ich dann doch wieder beim Sport gelandet, den ich nicht machen möchte. Aber ich sehe ein, dass sich Rücken, Arme, Beine, Bauch, usw. beim alltäglichen Kinderschleppen nur sehr einseitig trainieren und dabei auch noch verkrampfen. Also doch Sport. Oder „Workout“. Aber wenn schon, dann zu meinen Bedingungen. So stur bin ich dann schon.
Da mein Sportprogramm in der Schwangerschaft daraus bestand eine Doktorarbeit fertig zu schreiben, dieselbe zu verteidigen und den Rest der Zeit der glühenden Sommerhitze zu trotzen, wollte ich wenigstens in die Zeit danach überlegt und sportlich vorbereitet starten und dachte meine Optionen durch. Immer gut ist Schwimmen – aber ohne Auto mit einem Säugling im Gepäck eher schlecht durchzuführen und der passende Rückbildungskurs war schon voll. Mir wurde auch schnell klar, dass ich eigentlich überhaupt keine Lust hatte zu riskieren, dass mein neues Baby irgendeinen Fitnesskurs durch anhaltendes Gequäke stören könnte – bzw. keine Lust zu riskieren dort Menschen treffen zu müssen. Nichts gegen Menschen. Aber durch das Ganze sich einigeln zum Arbeiten und niemanden mehr treffen, den man mag, habe ich jetzt mehr das Bedürfnis Menschen zu treffen, die ich schon kenne und zu wenig sehe, als neue Menschen kennenzulernen.
Ich kam also nicht wirklich voran in meiner Sport-Planung. Erschwerend kam hinzu, dass mir sehr wohl bewusst ist, dass so ein Kurs einmal die Woche einfach nicht nachhaltig ist. Es ist Winter, die Kinder werden krank, ich kann mich nicht motivieren, zuhause die Übungen zu wiederholen, was ich aber müsste, um wirklich fit zu werden… usw. Aber die Lösung war die ganze Zeit vor meiner Nase.
Im Internet!!
Wo trainiert man ohne jemanden zu sehen?
Zuhause!
Wie trainiert man?
Alleine!
Wann? So oft wie möglich, wenn das Kind gerade mit macht und man selbst fit ist.
Aber das Wichtigste:
Wie lange?
Immer nur 15 Minuten!
Das bekommt man gut unter!
Aber woher nimmt man die Anleitungen?
Von einer DVD!
Und jetzt kommt das Beste:
Es gibt eine DVD, die einem 15 minütige Workouts MIT BABY zeigt! D.h. man kann sich vor seinen eigenen Laptop stellen und sich fast gar nicht doof dabei vorkommen einer sehr sehr sseeeehr durchtrainierten blonden Frau nachzuturnen zu „flotter“ Musik.
Spitze.
Und sie hat Babys dabei. Sie spricht also nicht nur zu „dir“ (natürlich wird man geduzt bei sowas) sondern auch immer mal wieder zu den Babys. („Ja, die Bewegung kennst du schon.“ oder „Kuckuck, da bin ich!“)
Klasse.
Und ich meine das jetzt durchaus ironisch und absolut unironisch zu gleichen Teilen. Ich nenne absichtlich nicht den genauen Titel des Programms (es ist leicht zu finden, falls jemand Interesse hat). Aber es ist genau das, was ich gesucht habe – es sind kurze Trainingseinheiten (15 Min!) unterteilt in „acht Wochen“, wobei man jede Woche eine Einheit zwei bis dreimal machen soll. Und alle Übungen sind mit Baby. Also keine Ausrede, dass das Kleine gerade weint!
Die Realität des Ganzen sieht natürlich so aus, dass ich jetzt bei Woche vier bin, aber bestimmt schon seit acht Wochen mit der blonden Frau zu flotter Musik mitturne – aber das stört mich kein Stück. Im Gegenteil! So habe ich länger was davon! Und die Babyrealität sieht so aus, dass manche Übungen einfach über oder neben dem auf der Matte liegenden Baby gemacht werden – das findet mein Baby manchmal lustig, manchmal nicht. Andere Übungen sind eigentlich nur wegen dem Baby „Übungen“, aber auch diese findet mein Baby nicht immer lustig oder aber es schläft gerade und dann mache ich auch diese ohne Baby. Man kann sich jetzt überlegen, was alberner aussieht: Das Baby für eine Armübung „fliegen“ zu lassen oder kein Baby mal links mal rechts diagonal in die Höhe zu halten.
Auch sehr hübsch: In einer „Trainingswoche“ fragt die blonde Dame, die übrigens auch einen Doktortitel hat, „Einmal geht noch, oder?“ (oder sowas in der Art) Und zu meinem Entsetzen kommt dann eine Antwort („Ja!“) – beim ersten Mal dachte ich, ich hab mir das vorgestellt, weil ich so konzentriert war auf mein Workout (lacht nicht, nach 10 Minuten Gehampel zu Dudelmusik bin ich total drin und auch schon ein bisschen erschöpft), beim zweiten Mal (dreimal die Woche sollte man ja….) dachte ich, mein Baby hat vielleicht gekiekst, aber beim dritten Mal war ich mir sicher – da spricht jemand vollkommen kontextlos aus dem Off im Video. Das ist gruselig!! Die Woche habe ich dann nicht streberhaft noch ein viertes Mal durchgeturnt…
Aber richtig lustig ist es eigentlich erst jetzt in der „vierten Woche“ also Halbzeit auf der DVD und für mich die Sicherheit noch mindestens zwei Monate was von dem Ganzen zu haben. Da fängt die Dame nämlich an, davon zu reden, dass „du“ ja jetzt schon „fortgeschritten“ wärst.
Das ist lustig.
Noch lustiger ist die Übung in der man sein Kind (Man sitzt auf der Matte und hält das Kind vor sich unter den dicken Babyarmen) „von links nach rechts hüpfen“ lässt. Dazu sagt sie: „Umso länger deine Arme, umso mehr spürst du das Gewicht deines Kindes.“ Das kann jetzt ein dezenter Hinweis sein, wie die Streberinnen das Training intensivieren können. Bei mir hört da jedoch das Strebertum definitiv auf und ich muss jedes Mal laut lachen – nicht gut für den Beckenboden wahrscheinlich – darüber wie ich da so sitze, in meinem Sportanzug, auf einer Yogamatte, vor dem Laptop und mein Baby ganz ganz gaaaaanz eng an mich presse und versuche mal links mal rechts von mir mit den Füßchen die Matte berühren zu lassen.
Ich glaube die Babys in den Videos sind höchstens halb so schwer wie meines…

LandFrust: Poltergeist Pascale hat keine Chance

Jetzt wieder ganz neu und frisch in langen Stillnächten zusammengebastelt. Ganz lyrisch und geistreich! Die Neue LandFrust! Viel Spaß!

Poltergeist Pascale hat keine Chance

Der wandernde Poltergeist Pascale
war schon wirklich überall,
jetzt wollte er mal seßhaft sein
und zog bei einer Familie ein.
Papa, Mama und zwei Kinder
„Da bleib ich doch den ganzen Winter!
Verstecke mich in den Ecken
und werde sie ganz schlimm erschrecken!“
Er beginnt mit Türeknallen,
das hat noch niemandem je gefallen.
Doch die Mama ruft nur „Kuku!
Mach die Tür doch leise zu!“
Dann muss halt die Scheibe klirren,
denkt er sich und mit lautem Sirren
schmeißt er das Fenster in den Rahmen.
„Kuku! Wie oft muss ich dich ermahnen?!“
Tönt es aus der Küche da,
aber Kuku ruft: „Ist doch nicht wahr!
Das was der Wind, der Wind,
das himmlische Kind!“
„Ach so.“ sagt da die Mama
und verschwindet in der Speisekammer.
Dem Pascale wird es fast zu doof,
er überlegt: „Was mach ich bloß?
Um diese Familie richtig zu quälen,
muss ich die Mittel mit Bedacht auswählen!“
Also fängt er zu kreischen an,
als ob ihm wer was angetan.
Kreischt und plärrt so richtig laut,
doch da Kuku auf die Pauke haut
und das Baby auch grad weint,
denkt Papa nur, er sei gemeint.
Nimmt den Kleinen auf den Arm
und gemeinsam hören sie sich die Pauke an.
Denn Kuku paukt und singt dazu,
da stört sie kein Polstergeist-Buhuu.
Pascale gibt auf und nimmt den Hut,
wirft noch einen Topf um, doch ihn verlässt der Mut.
Denn Kuku nimmt auch den zum Trommeln her
und Mama, Papa, Baby lachen sehr.
Pascal nun in die Ferne schwebt
und lieber wieder im Freien lebt.
Fuchs und Hase zu erschrecken,
scheint leichter als Kuku und Baby zu wecken.
Die beiden liegen auch schon in den Federn
und Kuku fragt: „Könnte es nicht Geister geben?
So ein Hausgeist wär doch fein!“
Aber Mama sagt nur leise: „Ach nein!
Einen Poltergeist kann ich nicht gebrauchen,
der würde mich doch zu sehr schlauchen!“

[Wer sich jetzt fragt, ob wir vielleicht einen Hausgeist haben in unserem alten Gemäuer… ich hätte noch nie was Böses bemerkt…]

Fashionblog: Socken.

Socken! Bestimmt habe ich irgendwo schon mal über Socken geschrieben – ich finde es jetzt nur nicht. Aber ich will ja dieses Jahr nur noch entweder über Positives oder Aufbauendes, am besten über beides schreiben. Und was gibt es Schöneres als ein Paar neue Socken?!?

Hier nur ein paar Vorteile von Socken: Socken passen eigentlich immer. Das Größensystem ist nicht so feingestuft, dass man sich leicht verkaufen könnte. Und da ich mit Schuhgröße 38 recht große Füße für meine doch recht kleine Körpergröße habe, passen mir sowohl Socken der Größe bis 38 als auch ab 39. Super! Kein Frust wegen möglichen Fehlkäufen! Und kein Frust wegen möglichen Phasen des Eintragens wie bei Lederschuhen oder Jeans. Man kauft Socken, zieht sie an, fertig. Super!!

Wer jetzt aber denkt, ich schreibe nur über Socken, weil ich mir vorhin im Supermarkt neue gekauft habe (noch so eine positive Eigenschaft von Socken: man kann sie problemlos beim Lebensmitteleinkauf besorgen!), der hat nur halb recht. Ich hege nämlich wirklich vielschichtig positive Gefühle für Socken. Dazu zwei kleine Anekdoten oder besser: eine Anekdote und eine allgemeine Beobachtung.

Als ich ungefähr halb so alt war wie jetzt, durfte ich öfters übers Wochenende zu Freunden fahren, die etwas weiter weg wohnten und sammelte dabei wertvolle Erfahrungen im Koffer- oder Taschepacken. Ein Freund von damals bestand vehement darauf, dass man beim Packen immer darauf achten müsse, genügend Socken dabei zu haben. Aus Sicht der Supermarkt durchstreifenden Hausfrau, muss ich gestehen, macht diese Kofferpackregel überhaupt keinen Sinn – da ja wie eben dargelegt der (ggf. Notfall-) Sockenkauf zu den allereinfachsten Kleidungskäufen gehört. Aber vielleicht auch doch, denn tatsächlich gibt es mir bis heute ein gutes Gefühl, wenn ich genügend Socken eingepackt habe. (Insbesondere bei Theaterbesuchen…)

Wenn man sich aber nun mit genügend Socken versorgt hat, seinen Koffer gepackt und der Besuch zu dem man fährt sagenwirmal ‚romantischer‘ Natur ist, dann kommt es gerne mal zu jener Situation, die mich zu versprochener ‚allgemeiner Beobachtung‘ veranlasst: Nackte Männer in Socken.

Ich habe mal gehört, dass ein nackter Mann in Socken zum Lächerlichsten gehört, was man sich so vorstellen kann. Und es könne zu den größten Beziehungsproblemen führen, wenn nicht peinlichst darauf geachtet wird in Situationen, die Nacktheit erfordern, die Socken auszuziehen. Wie nach obigen Ausführungen sicher wenig überraschend, bin ich weit entfernt davon diesem harschen Urteil zuzustimmen. Ein nackter Mann in Socken sieht für mich vor allem nach diesem wohligen Gefühl aus, wenn die eigenen Füße warm eingepackt sind. (Warme) Socken zu tragen – insbesondere wenn man sonst nicht viel trägt – ist ein bisschen als hätte man seine persönliche Fußbodenheizung. Und ich setze sogar noch einen drauf, bzw. ziehe noch eine Lage drüber: denn noch besser als warme Socken, sind dicke handgestrickte Schafwollsocken meiner Oma über (!sonst kratzen sie!) den warmen Socken! Herrlich!

Natürlich könnte man jetzt ganz im Sinne meines „entwederoder“-Themas sagen: Naja, entweder warme Füße oder nicht-lächerlich aussehen. Aber ich sage: Ästhetik ist doch auch eine Sache des Mitgefühls und wie kann ich jemanden nicht-lächerlich finden, der kalte Füße hat? Ganz unabhängig davon, ob die Socken an männlichen, weiblichen oder inter/diversen Füßen sitzen.*

*) Soviel heute zu den Socken, aber ich muss unbedingt noch loswerden, dass es mich unglaublich freut, dass intersexuelle Menschen das Recht zugesprochen bekommen haben auf eine positive eigene Geschlechtsbezeichnung!

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[Das sind übrigens mein zweites Paar Partysocken.]

LandFrust: Entweder gut oder besser.

Ich habe den Vorsatz gefasst für dieses Jahr nur noch über Positives zu schreiben. Denn wenn mich meine kleine Entwederoder-Studie (aber vor allem dieses gesamte Jahr bisher) eines gelehrt hat, dann dass es in allen Regenbogenfarben Schwarzweißdenken gibt und man in jedem Glück Bitterkeit finden kann. Einerseits gibt es das Postive und das Negative in Allem und andererseits die große Grauzone dazwischen, aber interessanterseits kann man über Alles schreiben und wenn man sich ein bisschen Mühe gibt am Ende mit einem wohligen Gefühl das Internet verlassen.

Kurz gesagt: Ich will wenigstens einen Ort im Internet schaffen, der sicher ist. An dem man nicht auf diese Berichte und Schlagzeilen stößt, die einem das ganze Elend der Welt auf die Seele pressen.

Deswegen heute die Geschichte von unserem Wickeltisch und der Liebe.

Möbel haben ja die unangenehme Eigenschaft einem nicht immer nur Freude zu machen und zwar einfach weil es gar nicht so einfach ist Möbel, die man besitzt und prinzipiell auch mag, den wandelnden Bedürfnissen anzupassen oder gegebenenfalls los zu werden oder anzuschaffen. Möbel müssen ja nicht einmal besonders teuer sein, aber es ist immer irgendwie eine größere Aktion seine Einrichtung zu verändern. Daher ist es gar nicht leicht ein restlos positives Beispiel an Möbelfreude zu finden – dachte ich! Doch dann stand ich an unserem Wickeltisch, wickelte so vor mich hin und mein Gedankenstrom floss ganz selbstverständlich zur Geschichte dieses kleinen bescheidenen Möbelstücks. Beziehungsweise genauer gesagt zu dem Teil seiner Geschichte, der besagt, dass es ursprünglich gar kein kleines Möbelstück war. Unser Wickeltisch war ursprünglich der Esstisch meines zukünftigen Ehemannes. Und zwar Esstisch, wie in: Abendessen mit sechs Leuten irgendwie in einer kleinen Wohnküche unterbringen. Es gab Partys an diesem Tisch. Sehr schöne Partys. Und es gab den ersten Besuch einer nervigen, aufdringlichen Person, die ihm seine gesamten Essensvorräte weggegessen hat, an diesem Tisch. Natürlich war ich diese Person. Und diese Person war sehr beeindruckt von diesem Tisch. Nicht weil er so beeindruckend gestaltet gewesen wäre, sondern eher weil nicht. Eine einfache schlichte Wohnküche mit einem einfachen schlichten Buchenholztisch und schwarzen Stühlen. Nicht unmodern, aber eben auch nicht das, was ich in allen anderen Wohnungen bisher gesehen hatte. Ich wusste von diesem Moment an, ohne dass es in mein Bewusstsein drang, dass wir uns in einem lebenspraktischen Punkt sehr ähnlich waren. Und das zeigte sich dann einige Jahre später an genau diesem Holztisch, der bis dahin besagte Feierrunden erlebt hatte und regelmäßig eine Werkbank für Fahrradreparaturen ersetzte.

Die Wohnung war größer geworden und der Tisch entsprechend kleiner und wir wussten, dass wir bald zu dritt sein würden. Ein Wickeltisch und ein größerer Esstisch mussten her. Und das macht mich so glücklich an unserem Wickeltisch: jede windelnwechselnde Person weiß, wie unangenehm ein zu niedriger Tisch zum Wickeln ist und ein Esstisch ist zu niedrig, selbst für mich, klein wie ich bin. Der kleine Esstisch plus Rollen unter seinen Beinen jedoch hat genau die richtige Höhe und lässt sich dann auch noch über eine tiefe Kommode für Kinderkleidung schieben, die noch aus meinen Kindertagen stammt. Esstisch plus Rollen plus Kommode ist gleich Wickeltisch… solche Möbelgeschichten machen mich glücklich und wenn mein wickelnder Blick auf die Stelle fällt, an der immer der Schraubstock befestigt war für abendliches Fahrradrichten in einer kleinen Wohnküche in München, dann muss ich immer ein bisschen verliebt lächeln.

Herbststrauß

[Der Tisch ist hier unter diesem Tischtuch…]

Fashionblog: Rauf auf die Palme!!

Eine Sache, die ich unglaublich HASSE… ich weiß, hassen ist ein starkes Wort… also nochmal: eine Sache, die ich UNGLAUBLICH HASSE, (Ja ich habe eine sehr starke Emotion bei diesem Thema) ist, wenn Leute ihre eigene Leistung runterspielen. Und an dieser Stelle ist unbedingt ein Nebensatz erforderlich, denn Bescheidenheit an sich bekümmert mich natürlich ganz und gar nicht. Ich hasse es, wenn Leute ihre eigene Leistung runterspielen, indem sie so tun als wäre alles ganz und gar wunderbar und leicht und überhaupt kein Problem. Das kann auf verschiedenste Art geschehen, aber die allerhäufigste in meiner Welt – eine sehr kleine Welt, wie ich hiermit betont haben möchte! – sind Eltern von Kleinkindern, die immer nur super glücklich und entspannt sind oder zumindest so tun. Denn um es ganz direkt zu sagen: niemand, NIEMAND (viele Großbuchstaben heute), kann dich so schnell auf die Palme bringen, wie dein eigenes Krippen- oder Kindergartenkind. 10 Minuten sind mehr als genug, um aus einem entspannten Mittwochmorgen einen Wettbewerb zwischen Ohren und Stimmbänder zu machen: „Und wer wird der Sieger sein? Mamas Stimmbänder mit der schlimmsten Heiserkeit seit der großen Hustenwelle 2006 oder Papas Ohren mit dem hartnäckigsten pfeifenden Ohrgeräusch seit er damals neben dem Punkrock-Proberaum eingeschlafen ist? Oder verteidigt der All Time Champion seinen Titel als dramatischstes lautestes und nervigstes Kleinkind aller Zeiten, indem es das Baby auf seine Seite zieht und durch geschicktes Ärmchenkneifen die Lautstärke ins Unmenschliche dreht? – Es bleibt spannend!!“ Und das ist dann nur der Streit darum, ob man Milch oder Jogurt ins Müsli haben will – ein Streit, der, wie ihr sicher fälschlicherweise annehmt, nicht geschlichtet werden kann. Nicht. Reden wir nicht mehr darüber. (Nein: Er kann schon gar nicht geschlichtet oder vermieden werden, indem man das reinschüttet, was sich das Kind ausgesucht hat!)

Um nochmal zum Thema zurückzukommen bevor ich mich davon endgültig verabschiede: ich hasse es, wenn junge Eltern so tun als wären solche Morgen bei ihnen EVENTUELL VIELLEICHT MANCHMAL Realität, aber ganz und gar nicht schlimm. – Ich habe selbst schon so getan, als ob das alles gar nicht so anstrengend wäre, und ich hasse mich dafür. Denn es ist anstrengend. Mit oder ohne Nachtruhe (bei den meisten Eltern ohne), mit oder ohne mehr als einem Kind, mit oder ohne stressiger Arbeitsstelle oder nerviger Schwiegereltern. Es ist anstrengend und auch schlimm, denn letztlich weiß man ja, dass die Kinder eben Kinder sind und man als Erwachsene zumindest so tun sollte, als ob man erwachsen wäre und sich vernünftig verhalten sollte. Ich bin sehr dafür, dass man ehrlich sagen kann, dass es anstrengend ist, denn ansonsten redet man seine eigene Leistung und (noch wichtiger!) die anderer junger Eltern klein – es gibt entspanntere und, sagen wir mal, un-entspanntere Kinder, aber alle können sehr sehr anstrengend sein in bestimmten Entwicklungsphasen (oder auch allen). Das macht aus Niemandem schlechte Menschen. Damit richtig umzugehen ist eine Leistung, auf die man stolz sein kann. Man selbst kann darauf nicht immer stolz sein, denn man sieht die vielen Erziehungsfehler, die man jeden Tag so macht (ich hab mal gehört 10 davon sind pro Tag erlaubt…), aber man kann anderen Eltern helfen darauf stolz zu sein und die eigene Leistung zu sehen.

Soviel dazu. Was ich nämlich fast genauso intensiv hasse, ist, wenn Texte über das Familienleben an diesem alltäglichen Wahnsinn hängen bleiben und in endlosen Schleifen ihre Komik aus dem Chaos und der elterlichen Ermüdung ziehen, sodass jede_r Kinderlose denken muss, wie absolut bescheuert man doch sein muss, sich so kleine Menschen anzuschaffen. Das mag ich auch nicht. Sich kleine Menschen ins Haus zu holen, führt zwar zu abstrusen Szenen und einer Erschöpfung, wie sie vielleicht Extremsportler sonst kennen, aber gleichzeitig führt es auch zu…

OH NEIN! Ich werde jetzt nicht sagen: zu Gefühlen von Liebe und Geborgenheit, wie man sie ansonsten nicht erfahren kann. Das ist vielleicht auch richtig, aber vollkommen neben dem, was ich eigentlich sagen will. Kinderhaben führt dazu, dass man ÜBERHAUPT diese abstrusen Szenen und unmenschliche Erschöpfung durchlebt. Das Leben ohne Kinder wird blass und monoton im Rückblick. Nebenbei kann es einem helfen ein besserer Mensch zu werden und sein Leben in den Griff zu bekommen. Das ist kein Grund Kinder zu bekommen, denn beides kommt nicht automatisch mit Kindern, sondern vielmehr in diesem schmerzhaften und andauernden Prozess des Versuchs gute Eltern zu sein. Aber da es überhaupt keinen Grund gibt Kinder zu bekommen, ist das auch nicht relevant. Kinder brauchen keinen „Grund“. Kein Mensch braucht einen „Grund“. Wir sind alle einfach grundlos genauso gut wie wir sind.

Und nachdem ich das also alles geklärt habe, komme ich doch noch weg von meinem Thema und zu etwas wirklich Zuckersüßem, mit dem ich euch heute entlasse. Ich habe diesen Moment schon mehrmals gezeichnet gesehen, aber ich versuche ihn jetzt zu beschreiben: Eine erwachsene Gestalt auf dem Boden sitzend und in ihren Armen ganz fest umschlungen ein kleines Kind. Beide haben die Augen geschlossen und halten sich ganz ganz fest mit einem zufriedenen ruhigen Lächeln im Gesicht. Wer einen solchen Moment als die erwachsene Gestalt irgendwann einmal erlebt hat, der oder die weiß, dass die Welt für einen kurzen Moment Atem holt und Alles gut ist!

Fühlt euch ganz fest umarmt und habt ein schönes Wochenende!