Fashionblog: Super lustig.

Letztens traf ich jemanden aus dem Internet. Und wie das so ist, sind die Leute „in echt“ nochmal anders als ich sie über Fernkommunikation wahrgenommen hatte. Aber eben auch nicht so komplett. Und so bin ich dann zum Beispiel erstaunt wie sehr jemand doch genau so aussieht wie sein oder ihr Profilbild im Internet. Ich finde das immer irgendwie eine erstaunliche Sache – dass Leute so aussehen wie auf den Photos. Und dass sie es eben auch nicht tun. Denn gewisse Details gehen doch durch und in der Technik verloren. Jedenfalls ist es sehr spannend jemanden „in echt“ zu treffen und dieser jemand, von dem ich erzählen wollte, erinnerte mich auch noch direkt an wen anders. Natürlich an seine eigenen Bilder im Internet. Aber darüber hinaus löste er eine Erinnerung in mir aus und ich kam nicht darauf, was das für eine Erinnerung war.

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[Das ist ein Bild aus der Stadt, in der ich war.] Aber weiter im Text:

Wie eigentlich immer, wenn man mich lässt, hatte sich ein angeregtes Gespräch zwischen uns entwickelt, während wir raschen Schrittes durch die Stadt schritten – ich mag das sehr gerne, angeregte Gespräche, Stadtspaziergänge und rasche Schritte. In Kombination wahrhaft genießenswert, wenn ich nicht so mit nachdenken beschäftigt gewesen wäre. Er dozierte über die Stadtgeschichte. Ich erklärte komplizierte Zusammenhänge von Reformation und Gegenreformation. Wir bewunderten alte Gebäude. Er schwenkte um zum Thema katholische Liturgie, ich versuchte mein ungesichertes Halbwissen als Protestantin anzubringen oder wenigstens auf ein Thema umzulenken, in dem ich mich besser auskenne (Marienmetaphern zum Beispiel). Und plötzlich fange ich furchtbar an zu lachen.

Ich lache so sehr, dass ich mitten auf einer belebten Einkaufsstraße stehen bleibe und mir tatsächlich den Bauch halte. Es muss ein bisschen verstörend gewesen sein, sich gerade auf den nächsten feministischen Schwenk meinerseits gefasst machen zu müssen, ganz angeregt aber mitten in der gottesdienstlich vollzogenen Eucharistie drin zu stecken und sich dann mein Gelächter anhören zu dürfen. „Geht gleich wieder.“ Ich stelle meine Tasche ab und lache japsend weiter.

Und jetzt. Monate später fällt mir ein, dass doch gerade dieser Moment der war, auf den ich gewartet hatte. Der meine vage Erinnerung erklärte. Nein, der die Erinnerung war. (Ja, ich brauche manchmal – sehr zum Vorteil dieses Blogs – Monate, um meine eigenen spontanen Reaktionen zu verstehen.) Also das Lachen. Das war die Erinnerung. Ich hatte das nur in dem Moment – mit Tränen in den Augen und einem leichten Muskelkater in den Bauchmuskeln – nicht zusammenbringen können. Denn dieser gut gekleidete Mitt-Vierziger mit ergrauenden Haaren, Bart und einer beruflichen Karriere, erinnerte mich an eine Schulfreundin. Also in meiner Erinnerung an eine Abiturientin, schlaksig und noch unbeholfen, mit Brille und einer Neigung sehr langsam zu essen. Bis auf, dass sie beinahe auch 1,80 groß gewesen war, gibt es keine offensichtliche Ähnlichkeit. Einfach zwei Menschen, die beide zu zwei sehr unterschiedlichen Zeitpunkten und über sehr unterschiedliche Themen mit mir geredet haben. Das ist die Verbindung. Das und mein Heiterkeitsausbruch. Zwei Menschen, die ich – ein Privileg wie ich finde – als super lustig erleben darf. Ohne, dass sie das immer wollen. Das hat natürlich etwas tragi-komisches. Aber ich finde, das ist eine wunderbare Eigenschaft. Menschen zum Lachen zu bringen. Gleichzeitig eine, die nicht immer ganz einfach zu tragen ist. Ich weiß noch, wie meine Schulfreundin mir erzählte, wie verletzt sie schon war, wenn sie etwas erzählte, das für sie schlimm gewesen war, und die Menschen fangen an zu lachen. Aber ich weiß auch, dass sie es dann später geschafft hatte, dieses Talent als Talent zu sehen.

Die Fähigkeit Heiterkeit ins Leben einzuweben.
Ich bin jedenfalls immer sehr dankbar für solche Gelegenheiten. Über etwas lachen zu können, das vielleicht gar nicht so lustig ist.

Zu Besuch in der Plapperbu.de

Es ist noch nicht Dienstag, aber heute mal was ganz anderes: Ich war zu Besuch in einem Podcast!

Wer also meine Stimme hören möchte und sich für das Thema Erziehung, genauer Bedürfnisorientierte Erziehung, interessiert, kann gerne hier auf diesen Link klicken und kommt direkt zu dem sehr empfehlenswerten Podcast Plapperbu.de, der sich mit emanzipatorischen Themen beschäftigt.

https://plapperbu.de/2019/06/05/erziehung-und-attachment-parenting/

Es hat mir großen Spaß gemacht mit Homer die sogenannten „7 Baby Bs“ von Martha und William Sears kontrovers zu besprechen. Soviel vorweg: Wir finden keine einfachen Rezepte dafür, wie Kinder gut gedeihen, aber wir schauen uns kritisch an, was Eltern so gesagt bekommen.

[Kommentare sind hier ausgeschaltet – Homer freut sich aber sehr über Feedback auf seinem Blog!]

LandFrust: Hello Pockemon.

Kuku spielt mit altem ‚Polly Pocket‘ Spielzeug, von meinem Bruder und mir. Uns faszinierte, dass da so eine ganze kleine Welt in einer kleinen Box drin ist. Kuku fasziniert, dass das lauter kleine Püppchen sind und sie nennt es „Hello Pockemon“.

Das ist lustig, wenn man die Referenz versteht. Und wir fanden es lustig.

Denn die Hello Pockemon (ich weiß, dass man das eigentlich anders schreibt, ssshhh ich erzähle einen Witz), die gehen natürlich in Hogwarts zur Schule. Um dort ihr erstes Laserschwert zu bekommen. Und Hogwarts liegt in Mittelerde. Und hinkommen tun sie, indem Scotty sie hochbeamt. Oder vielleicht sorgt sich um die Logistik doch diese Andere, die mit den Drachen? Auf jeden Fall gehören Manolos zur Schuluniform. Und am ersten Tag bekommt man eine rote und eine blaue Pille angeboten. Und muss sich von 50 Graustufen eine aussuchen. Und am Abend trinken alle Chianti. Mit dem Känguru.

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[Das muss jetzt aber auch reichen. Es tut mir schrecklich Leid für Alle, die den Witz nicht verstehen. Ich verstehe ihn auch nur zur Hälfte und tu nur so, als ob ich mitreden könnte.]

[Das Bild zeigt, was meine Beschäftigung war, während Hello Pockemon gespielt wurde.]

Interessanterseits: Worte jagen.

Bestimmt habe ich irgendwo und irgendwie – wahrscheinlich bei einer Tasse Kaffee oder Tee – schon mal erzählt, dass mein Blog hier aus einem einzigen und sehr dringenden Bedürfnis entstanden ist.

Ich schrieb an meiner Dissertation und wie es eben so ist. Ich habe meine Vorlieben. Lange Sätze und Füllwörter. All meine Überarbeitungsarbeiten schienen mir daraus zu bestehen, Texte durchzulesen (die ich vor unterschiedlich langer Zeit verfasst hatte) und alle ‚auch‘ zu streichen, die mir so in die Quere kamen. Und nicht nur Auchs. Eine ganze Fülle von Wörtern, die ich – so erkannte ich – dafür verwendete einem Satz einen für mich angenehmen Klang zu geben. Die nur leider leider in wissenschaftlicher Sprache selten so richtig notwendig waren. Auch meine Angewohnheit neben den Schlangensätzen auch noch kurze Sätze einzustreuen. Wie Schlagworte. Mit Punkten dazwischen. Aber gar ohne Verben. Nicht so geeignet für eine wissenschaftliche Abhandlung. Ich verlängerte also hier einen zu kurzen und verkürzte dort einen zu langen Satz. Und hinter mir auf dem Teppich häuften sich die ganzen wohlklingenden Wörter und Doppelungen und langen Aufzählungen und über das eigentlich gerade verhandelte Thema hinausweisende Einwürfe an. Ein ganzer metaphorischer Haufen mit viel zu blumiger Sprache. Nicht sehr blumig, aber doch zu blumig. Zu sehr wiederholend, zu sehr aus Freude am Klang formuliert.

Wohin damit?

Liegen lassen wollter ich diese schönen Wörter nicht. Also begann ich diesen Blog und stopfte ihn so unkuratiert wie es gerade noch tragbar ist voll mit all diesen Worten, die hier ihre freie themenlose Schönheit entfalten dürfen. Der weitere Zweck des Ganzen kam dann unterwegs. Geliebten Menschen, die zu weit entfernt wohnen, ein paar gute Zeilen bereitzustellen. Und: Mich selbst dem zu stellen, dass nun tatsächlich Menschen, was ich schreibe, lesen. So in echt. Nicht nur das eng kontrollierte Umfeld der Doktormutter oder hilfsbereiter Kommilitoninnen. Nein. Quasi unsichtbare Freundinnen und Fremde. Bekannte und Unbedarfte. Unbetroffene von meinem Leben. Und überhaupt, wer auch immer darüber stolpert in den Weiten des Internets. Und sie lesen, was im Ursprung ein Klang in meinem Kopf, dann eine wackelige Linie auf Papier, ein Klicken und Tippen meiner Finger, jedenfalls eine kleine kreative Äußerung meines Selbst ist.

Ich dachte mir, es wäre eine gute Übung. Denn das, was ich da seit 2012 und bis 2017 schrieb und an dem ich dann weiter arbeitete seit Mitte 2018 bis Anfang diesen Monats 2019, das würde ja öffentlich und für jeden und jede zu lesen sein. Nicht dass ich mir die Illusion machte, meine Dissertation würde eine große Leserschaft bekommen. Aber wer Nerv und Interesse aufbringen kann, der wird meine gesamte Dissertation frei zugänglich online lesen können [Ich stelle den Link bereit, sobald ich ihn habe.]. Und so musste ich mir damals bewusst sein, dass ich Dinge zu Papier brachte, die Menschen überfliegen werden, durchlesen, oberflächlich interessiert scannen, zur Kenntnis nehmen oder gar hinterfragen, diskutieren würden. Und dieser Blog half mir eine gewisse Scheu davor zu überwinden. Sodass ich mir heute ganz selbstverständlich vorkommt zu sagen:

Meine Arbeit ist veröffentlicht. Sie ist für Alle frei online verfügbar. (Leider weiß ich nicht, wie gut sie für die Nutzer von Screenreadern zu lesen ist.)

Das ist eine Tatsache, die mir wirklich gut gefällt. Denn ich wurde durch ein Stipendium gefördert und so fühlt sich die Online-Publikation ein bisschen nach „Zurückgeben“ an. Wie schon gesagt, werde ich den Link teilen, sobald ich ihn selbst habe. Und vielleicht feiere ich auch noch das Abholen der Doktorurkunde. In kleinen Kreis. Wie mir das am Liebsten ist.

Aber was wird aus diesem Blog, der sich doch speiste aus dem Bedürfnis auch etwas „nur zum Spaß“ schreiben zu können? – Nun, ich dachte mir, nach dieser kleinen Pause geht es einfach wie gehabt weiter. Die Geschichten werden mir nicht ausgehen. Und falls mich die Lust oder Notwenigkeit überfällt, kann ich immer noch was doppelt und dreifach erzählen. Und der Dienstag ist ein guter Tag für Updates – denn ich mag Dienstage nicht so gerne, weil die Motivation der Sonntagslangeweile und der Trubel des Montags-alle-Dinge-erledigen-die-am-Wochenende-liegen-geblieben-sind, lassen den Dienstag dann so richtig als Beginn der Arbeitswoche erscheinen und das Wochenende ist so weit weg. Also etwas Schönes am Dienstag.

Ich möchte weiterhin, dass dieser Blog ein sicherer Ort ist. Ich versuche immer direkt im ersten Absatz zu sagen, wenn es um ernste oder potenziell belastende Themen geht. Sicher wird so manches Manche in ihren individuellen Belastungen und Erfahrungen dennoch unvorbereitet emotional treffen – aber bitte wisst, dass ich eigentlich möchte, dass mein Schreiben hier ein positives Gefühl hinterlässt. „Wie ein warmes Bad.“ Sage in an anderer Stelle und das soll so bleiben.

Damit ist erstmal Schluss mit den Lebens-Updates. Nächsten Dienstag gibt es wieder „a G’schichtle“ wie meine Oma sagt.

LandFrust: Fiktion.

Meine fiktive Zeitschrift „LandFrust“ läuft wirklich gut. Muss ich sagen. Die Verkäufe sind stabil (bei Null). Die Anzeigenkund_innen bleiben zuverlässig fern. Die Themen variieren ohne Muster oder Struktur oder redaktioneller Einmischung, wie geplant.

Ein voller Erfolg.

Ich denke viel darüber nach, für wie „wahr“ Menschen das halten, was ich hier schreibe. Letztlich ist dieser ganze Blog aus dem Wunsch geboren worden, einen Platz für meine überschüssigen Worte zu haben. Die, die ich aus meiner Dissertation raus streichen musste, weil es ja „Wissenschaftliches Schreiben“ ist. Und hier ist es „Schreiben zum Spass“.  Und letztlich ist jeder Text hier eine kleine fiktionale Geschichte. Was ich erzähle, hat keinen umfassenden Wahrheitsanspruch oder auch nur den Anspruch irgendwie akkurat zu sein. Oder ehrlich.

Gleichzeitig ist es natürlich ehrlich und „wahr“. Auch Romane sind „wahr“. Fiktion, die nicht irgendetwas Wahres trifft, trifft auch nicht die Herzen der Leserschaft und das möchte die allermeiste Unterhaltungsliteratur ja schon.

Heute also wieder nur etwas Kurzes. Bald kommt ein echtes Statusupdate. Und dann werden wir sehen… vielleicht noch ein paar Sonderausgaben der „LandFrust“. Denn so ein gelungenes Projekt muss weitergeführt werden. Oder sogar ausgebaut… zumindest in der Fiktion.

LandFrust: Suchbild mit Supermarkt

Der Leiter des für mich am günstigsten gelegenen Supermarktes hat für mich allein ein ganz spezielles Suchspiel entwickelt.

Also er weißt jetzt nicht so ganz direkt, dass er es für mich entwickelt hat. Er weiß eigentlich auch nicht, dass ich mit spiele. Und auch nicht, dass es ein Spiel ist. Oder, dass es etwas zu suchen gibt.

Zumindest nehme ich an, dass er nicht weiß, dass es etwas zu suchen gibt.

Aber ich weiß es. Ich halte immer Ausschau. Irgendwo werde ich fündig und er manchmal – das muss zugegeben werden – manchmal auch.
Das weiß ich nun wiederum, weil ich ihn ja durchaus manchmal mit der Kaffeetasse in der Hand sehe.

Aber meistens sehe ich ihn ohne.

Und die Tasse ist versteckt.

Im Regal mit den Caprisonnen. Oder bei den Deos. Manchmal zwischen den Ameisenködern. Immer weiß, mit einigen Kaffeetropfen am Rand.

Vergessen und verborgen für mich zum Finden.

LandFrust: Kurze Wege

Heute möchte ich über etwas Schwieriges schreiben. Also über etwas, das mir immer wieder passiert, aber ich will auch darüber schreiben, wie ich damit umgehe. Vielleicht möchte ich sogar einen Lösungsvorschlag unterbreiten, vielleicht. Es geht um Gruppen. Menschengruppen. Und zu welcher Gruppe ich gehöre. Aber auch um Wege. Und zwar kurze.

Ich möchte also schnell hier mal einen Gedanken einwerfen. Schnell. Bevor wieder irgendwer anfängt über irgendeine andere Gruppe Menschen abschätzig zu sprechen. Bevor ich selbst wieder denke: „Uäh, neben DENEN will ich nicht stehen.“ Bevor wir Alle uns wieder in unsere Grüppchen zurückziehen und denken: „Wir“ hier und „Die“ dort drüben. Bevor dies passiert, möchte ich also diesen etwas schwierigen Gedanken loswerden, der mich kürzlich mit voller Wucht überfiel. Und zwar als ich in Gedanken die Landkarte meiner (erweiterten) Familie abschritt. Im engsten Kreis meiner Herkunftsfamilie sind wir schon recht gut verteilt – wenn ich die fünf Stunden von meinem Wohnort zu dem meiner Eltern fahre, kann ich nach zwei einhalb und nach vier Stunden meine beiden Brüder einsammeln und mit in die Gegend nehmen in der unsere Eltern und Großeltern leben. Und dort können wir dazu dann auch noch Tanten und Onkel und Cousins und Cousinen besuchen. Doch dann wird das ganze schon verzweigt. Meine Brüder haben Partner_innen, meine Cousins wiederum Cousins und Cousinen. Ich muss auf der mentalen Landkarte nur bis zum Cousin meines Vaters kommen und lande in Australien. Vor meinem inneren Auge breitet sich ein Netz aus Verwandten und Bekannten über Deutschland und greift noch weiter aus. Man sagt, man könne jeden Menschen mit jedem anderen Menschen auf der Erde über acht Ecken miteinander verbinden. Und ich bin mir sehr sicher, dass es in den meisten Fällen weniger sind.

Bevor also irgendwer wieder irgendwas über irgendeine Gruppe Menschen sagen möchte, sage ich (und erinnere mich selbst hiermit!):

Ich gehöre wahrscheinlich zu dieser Gruppe. Vielleicht über ein paar Ecken, einen kleinen Umweg, aber es ist sehr wahrscheinlich.

Es gibt natürlich schon Menschen, die mir ganz besonders nahe stehen, es gibt Gruppen zu denen ich einfach sehr direkt gehöre (ich bin eine weiße Deutsche, zum Beispiel, ich bin Mutter, ich bin Christin, ich bin Akademikerin) und es gibt Gruppen zu denen ich damit nicht gehöre. ABER auch zu diesen Gruppen habe ich kurze Wege. Mache ich diesen Gedankenspaziergang an meinem Stammbaum entlang, überquere vielleicht auch die Querverbindung zu meiner angeheirateten Familie. Denke ich an all die Verwandten und Verschwägerten, da erinnere ich mich immer wieder daran wie kurz meine Wege sind zu Menschen, die mir in Vielem fremd sind, die ich nicht verstehe, deren Sprache ich nicht spreche oder deren Kultur ich nicht teile. Aber ich kann es nicht leugnen, dass wir in einer gewissen Art zusammengehören. Zumindest uns schwer täten es zu leugnen.

Ich gehe in Gedanken die Gruppen durch, in die ich Menschen einordne. Zum Teil völlig willkürliche Gruppen. Mein beschränkter menschlicher Verstand braucht ja diese Kategorien, aber eigentlich braucht mein Herz sie nicht. Ich erinnere mich daran wie oft ich schon einen Menschen aus einer mir so ganz fremden Gruppe als ‚Ausnahme‘ bezeichnet habe, nur weil mein Weg zu dieser Person so kurz war, aber die gesamte Gruppe mir so weit weg, so ganz anders, so nicht akzeptabel erschien. Ich bin da genauso wie der urbayerische Stammtisch, der zu seinen beiden lesbischen Neuzugängen sagte: „Ihr! Ja ihr seid ja okay!“ – Aber eigentlich habe ich genug Gründe zu sagen: „Ihr seid ALLE okay.“ (Außer ihr beweist mir, dass ihr ganz persönlich und individuell schlechte Menschen seid. Das ist dann nicht okay. Aber so im allgemeinen gesprochen…)

Es ist nicht immer ganz einfach beide Gedanken unter einen Hut zu bringen – das Netz der eigenen Verwandt- und Bekanntschaft zu sehen und gleichzeitig zu sehen, dass in diesem Netz Menschen mit drin hängen, die zu Gruppen gehören, die ich – ich sage es mal so wie es sich ja anfühlt – einfach nicht mag. Aber es lohnt sich. Falls ihr einen kurzen Weg brauchen solltet: Ich biete mich hiermit an. Diesen Blog zu lesen ist ein Anfang sich mit Menschen verbunden zu fühlen, die so ganz ‚anders‘ sind.

Denn unsichtbar hinter mir und um mich her, während ich das hier tippe, steht ein Netz aus Verwandten, Bekannten, Freund_innen, das (beinahe?) um den Globus reicht. Es umschließt unterschiedlichste Hautfarben, Kulturen, Lebensentwürfe, Identitäten und Religionen. Und ich muss nicht weit gehen, um einen Zugang zu diesen Menschen zu finden. Oft reiche schon ich selbst aus. So als kurzer Weg.

Ich kann bei weitem nicht behaupten, ich sei eine Cosmopolitin oder sowas, aber wenn ich es darauf anlegen würde, könnte ich wohl quer durch Europa reisen ohne bei ‚Fremden‘ übernachten zu müssen. Und ich würde so viele Arten zu leben und zu lieben und zu denken kennenlernen, dass es mich schwindelt. Aber ich könnte immer sagen: „Irgendwie gehören wir in dieselbe Gruppe.“