LandFrust: Hellblau

Die Neue LandFrust. Heute quasi mit einer Reportage!

Ich erzähle heute die Geschichte unserer hellblauen Rührschüssel. (Keine Photos, sie möchte unerkannt bleiben.)

Die Geschichte unserer blauen Rührschüssel beginnt in einem Haushaltswarengeschäft. Wo auch sonst. Dieses liegt in einer Parallelstraße. Und hier wird das schon ein bisschen interessanter. Eine Parallelstraße muss ja zu irgendwas parallel sein. Und diese spezielle ist es zu einigen Straßen unter anderem den zwei in denen ich gewohnt habe. Zur ersten Straße sind es nur einige Meter – direkt an der Münchner Uni – dort hatte ich meine erste eigene Wohnung. Zur zweiten Straße ist es etwas weiter und weitere parallele Straßen laufen dazwischen und dort wohnte der Mann, bei dem ich nach einem halben Jahr einzog und der später mein Ehemann wurde. Und die Rührschüssel haben wir uns zusammen gekauft. Denn mit dem Einzug bei ihm erwachte in mir das Bedürfnis zu backen. Warum? Weil es in dieser Wohnung – im Unterschied zu meiner ersten – einen Backofen gab. Am Anfang rührte ich meine Teige noch in einem Campingtopf. Das war ganz praktisch, weil man in diesem Topf die Butter direkt schmelzen konnte. Aber irgendwann fanden wir die Investition in eine Rührschüssel doch lohnend. Und so kauften wir uns eine hellblaue, standfeste Rührschüssel, die mein Backen durchaus verbesserte – allerdings nicht so gravierend wie die Jahre später im bayerischen Wald erfolgende Anschaffung einer Küchenwaage.

Wer lange genug versucht hat in einem dünnen Metalltopf mit ebenem Boden mit dem Handrührgerät irgendetwas zu rühren, wird eine gute Rührschüssel zu schätzen wissen. Plötzlich war auch der Abwasch so viel leichter. Ich war damals in dem Laden direkt auf diese Schüssel zugegangen und hatte mich erst an der Kasse über den doch stolzen Preis gewundert – eine Verwunderung, die ich als Studentin sonst immer direkt vor dem Regal schon hatte und es nicht mehr bis zur Kasse schaffte. Aber das helle Blau becircte mich. Zuhause begeisterte mich dann, wie gut das Rühren plötzlich funktionierte und wie schön das Wasser alle Reste aus dieser Schüssel spült. Heute mache ich v.a. meinen Jogurt in dieser Schüssel und bin jetzt begeistert über das Ausgussverhalten des kleinen Schnabels an der Schüssel, den ich bis dato gar nicht richtig wahrgenommen hatte.

Es ist schon merkwürdig, wie wenig man eigentlich weiß, über die Dinge, die man so täglich im Gebrauch hat. Nicht nur, dass ich ganz generell die Funktionalität von etwas so Alltäglichem wie einer Schüssel unterschätzt habe, ich hatte mir ja auch keine Gedanken gemacht über das Material, aus dem sie hergestellt ist. Dass es mich überleben wird, dass es vielleicht einmal brechen kann, aber nicht verrotten, dass es letztlich immer existieren wird. Dieser Gedanke gibt mir immer eine neue Wertschätzung für Gebrauchsgegenstände. Dass etwas, das ich benutze nach meiner Benutzung dennoch für immer da sein wird und nicht einfach verschwindet. Und dann ist ja auch noch der Zeitaspekt. Diese hellblaue Rührschüssel sieht eigentlich unverändert aus, ebenso der hellblaue Staubsauger, den wir in einem romantischen Zufall ebenfalls als eine der ersten Investitionen gemeinsam gekauft haben. Ich meine den Zufall, dass er auch hellblau ist.

Wir scherzten dann immer, dass, falls wir uns trennen, wir uns lediglich um diesen Staubsauger streiten müssten. Aber jetzt fällt mir auf, dass es auch damals schon mehr war – die Rührschüssel gab es ja auch noch. (Alles Gute zum Geburtstag… Ich liebe dich in hellblau … und für immer.)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s